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Tischlerei mit Herz

Dass unsere Geschäftskunden oft ganz besondere Unternehmen sind, dass wissen wir schon länger. Und sind dennoch immer wieder überrascht, welche Menschen und Geschichten sich hinter einer Kundennummer verbergen können – so wie im Fall der Tischlerei FreiStil aus Osnabrück, die von uns mit Ökostrom und proWindgas versorgt wird.

Reinhard Kinstler und Jasper Böhn, die beiden Geschäftsführer der Tischlerei.
Reinhard Kinstler und Jasper Böhn, die beiden Geschäftsführer der Tischlerei.

Das mittelständische Unternehmen mit knapp 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gibt es bereits seit 1992 und hat sich auf den Bau von Therapiebetten für Kinder spezialisiert. Nachhaltigkeit wird groß geschrieben in der Tischlerei FreiStil, und das nicht nur im Bereich der Energieversorgung: Das Buchenholz für die Betten stammt aus nachhaltiger, europäischer Forstwirtschaft, die Auszubildendenquote ist überdurchschnittlich hoch und das Betriebsklima ausgesprochen gut. Wir haben uns mit Reinhard Kinstler unterhalten, einem der beiden Geschäftsführer, um mehr herauszufinden über FreiStil – die Tischlerei mit Herz aus Osnabrück.

Herr Kinstler, was ist die Geschichte hinter FreiStil, wie sind Sie zum Tischlern gekommen?

Reinhard Kinstler: In meinem ersten Leben war ich evangelischer Diakon und habe dann mit 28 eine Umschulung zum Tischler gemacht. 1992 habe ich mit meinem damaligen Geschäftspartner FreiStil gegründet. Am Anfang haben wir hauptsächlich Möbel gebaut, aber ich habe schnell gemerkt, dass ich eine anspruchsvollere Arbeit brauche – so kamen wir auf die Therapiebetten für Kinder, die heute einen Großteil unserer Aufträge ausmachen.

Und wie genau sind Sie darauf gekommen, sich auf Therapiebetten zu spezialisieren?

Reinhard Kinstler: Meine Frau und ich haben einen körperbehinderten Pflegesohn, und als er noch ganz klein war, habe ich gedacht: Komisch, so richtig gute Pflegebetten gibt es nicht auf dem Markt, vielleicht können wir das ja besser, und so ist das entstanden und hat sich im Lauf der Jahre immer weiterentwickelt. Heute gibt es in Deutschland drei Firmen, die Kinderpflegebetten herstellen, und wir sind eine davon.

Da werden bei der Produktion bestimmt auch hohe Ansprüche an die Rohstoffe gelegt. Woher stammt das Holz, das Sie hier bei FreiStil verwenden?

Reinhard Kinstler: Bei den Kinderbetten verwenden wir Buche, die kommt ausschließlich aus Deutschland. Ansonsten arbeiten wir mit allen einheimischen Hölzern, die es in Europa gibt.

Warum sind Sie mit FreiStil zu Greenpeace Energy gewechselt?

Reinhard Kinstler: Mein damaliger Mitinhaber war Fördermitglied bei Greenpeace, und Greenpeace war für uns immer ein Synonym für Ehrlichkeit. So sind wir auf Greenpeace Energy gestoßen und haben uns gedacht:  Wenn wir zu Ökostrom wechseln, dann zu einem Unternehmen, bei dem wir das Gefühl haben, die machen auch das, was sie sagen.

Ergänzt diese Entscheidung denn das Geschäftsmodell von FreiStil?

Reinhard Kinstler: Das ist eigentlich zwangsläufig. Für uns war es eine logische Konsequenz, dass wir mit unserer Tischlerei auf erneuerbare Energien umgestiegen sind. Wir haben schon vor 25 Jahren gesagt, dass wir nicht mit Tropenhölzern arbeiten wollen. Wir arbeiten auch wenig mit lackierten Oberflächen, viel mit Massivholz, und dann fragt man sich nicht nur, wo kommt eigentlich das Holz her, dass ich hier verwende, sondern auch, woher die Energie kommt.

Was machen Sie sonst noch beim Thema Nachhaltigkeit.

Reinhard Kinstler: Wir haben jetzt seit rund eineinhalb Jahren eine Photovoltaikanlage auf dem Dach. Was wir perspektivisch gerne machen würden, ist der Umstieg auf Elektromobilität, das ist unser Plan für die nahe Zukunft.

Zum Themenkomplex Nachhaltigkeit im Unternehmen gehört ja auch das Betriebsklima – unser Eindruck ist, dass das hier bei Ihnen ziemlich gut läuft.

Gut gelaunt: das Team der Tischlerei FreiStil. Bild: Christine Lutz/Greenpeace Energy.
Gut gelaunt: das Team der Tischlerei FreiStil. Alle Bilder: Christine Lutz/Greenpeace Energy.

Reinhard Kinstler: Das stimmt, da machen wir schon einiges anders als andere Handwerksbetriebe. Jeden Freitag besprechen wir uns mit dem ganzen Team, da kann alles auf den Tisch kommen, Dinge, die jemanden bedrücken, aber auch Sachen, die gut gelaufen sind. Wir sprechen auch darüber, was jeder in der nächsten Woche macht, damit alle wissen, womit die Kollegen beschäftigt sind. Wir führen regelmäßig Mitarbeitergespräche durch, um herauszufinden, wie wir die Arbeit für alle noch besser gestalten können. Außerdem bilden wir aus, wir haben insgesamt fünf Auszubildende. Einer von ihnen, Seif, ist aus dem Sudan nach Deutschland geflüchtet, hat bei uns als Praktikant begonnen und macht nun eine Tischlerlehre.

Für alle Nicht-Tischler unter uns – was ist denn das Besondere am Arbeiten mit Holz?

Reinhard Kinstler: Die Haptik, es ist ein schöner, warmer Werkstoff. Dann die Gestaltungsmöglichkeiten – was kann ich nicht alles machen mit Holz? Vom Möbelstück über Gartenbrücken bis hin zu ganzen Häusern kann ich alles Mögliche mit Holz herstellen – der Werkstoff ist so vielseitig.

Und was ist der schönste Gegenstand, den Sie in den letzten Jahren aus Holz gebaut haben?

Reinhard Kinstler: (lacht) Ich habe viele tolle Sachen gebaut. Schöne, gewendelte Treppen, oder ganz spezielle Schaukeln, Nachbauten aus der Zeit um 1800, und im Möbelbereich ein ganzes Zimmer im Kennedy-Stil, also mit stark kannelierten, weißen Möbelstücken, vor denen Kennedy oft fotografiert worden ist. Das haben wir für einen Kunden nachgebaut, und das hat richtig viel Spaß gemacht.

Herr Kinstler, vielen Dank für das Gespräch.

INFO: Die Tischlerei FreiStil gibt es natürlich auch im Internet – mehr Eindrücke finden sich unter www.freistil.com!

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