グリーンピースエナジー (Die Greenpeace-Energy-Story)

Marcel_Japan_RedeDie Energiewende in Japan – kein leichtes Unterfangen. Marcel Keiffenheim, Leiter des Bereichs Energiepolitik bei Greenpeace Energy, war Anfang des Jahres auf einer Konferenz in Fukushima, um von den Erfahrungen in Deutschland zu berichten.

„Eine Photovoltaikanlage direkt bei uns im Ort“, erzählt Mitaki Misuki aus einer kleinen Gemeinde im Südosten von Japan: „Zwei Megawatt, genug Strom, um alle Einwohner zu versorgen.“ Ein tolles Projekt, das die Energie-Genossenschaft der Dorfbewohner geplant hat, doch Misuki ergänzt mit traurigem Lächeln: „Unser örtlicher Stromversorger hat den Antrag abgelehnt. Da kann man in Japan leider nichts machen.“

Licht und Schatten bei der Energiewende in Japan: Auf der einen Seite gibt es Hunderttausende Bürger, die mit großer Entschlossenheit den Umbau der Energieversorgung voranbringen wollen – weg von Atom und fossilen Energien, auf die das Inselreich bis zur Reaktorkatastrophe in Fukushima fast ausschließlich gesetzt hatte. Ein neues Einspeisegesetz ähnlich dem deutschen EEG hat Japan 2013 sogar einen größeren Zubau an Wind- und Photovoltaikanlagen beschert als in Deutschland. Zudem werden sukzessive die Strommärkte liberalisiert; die Gebietsmonopole der zehn Konzerne, die das Land bislang unter sich aufteilen, sollen fallen.

Auf der anderen Seite braucht es dringend weitere Regelungen, um die japanische Bürgerenergiewende abzusichern. Die fehlende Anschlusspflicht für erneuerbare Energien, weshalb die im ganzen Land entstehenden Energie-Genossenschaften der Willkür der Netzbetreiber ausgeliefert sind, ist da nur ein Beispiel von vielen. Greenpeace Energy war zur „Community Power Conference“ in Fukushima eingeladen, um gemeinsam mit japanischen Energiewende-Aktivisten zu beraten: Was läuft gut und wo hapert es? Was kann man aus dem deutschen Beispiel lernen?


 

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„Beeindruckt hat mich der Ort der Tagung, Fukushima – und zu erleben, welch Optimismus ausgerechnet vom Ort einer atomaren Katastrophe ausgehen kann. Die Leute, mit denen ich sprach, wissen, gegen welch mächtige wirtschaftliche und politische Interessen sie antreten“, sagt Marcel Keiffenheim. An Greenpeace Energy interessierte die japanischen Erneuerbaren-Aktivisten vor allem das ganzheitliche Konzept, das Kundenversorgung, Anlagenbau und politischen Einsatz für die Energiewende verbindet. „Das ist eine Vision, für die ich mich begeistern kann“, meint Mitaki Misuki: „Statt sich nur über die Schwierigkeiten zu ärgern, die uns der örtliche Stromversorger macht, könnten wir ja unseren eigenen Stromversorger gründen.“

(Dieser Artikel erschien in der Druckausgabe der energy.aktuell im Mai 2014.)

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