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Sonnige Aussichten fürs Rheinische Revier

Wie eine regionale Energiewende den sozialverträglichen Strukturwandel im Rheinischen Revier bis 2030 erfolgreich voranbringen kann, haben wir heute bei der Landespressekonferenz im nordrhein-westfälischen Landtag vorgestellt. Moderiert vom LPK-Vorsitzenden Tobias Blasius präsentierte Greenpeace-Energy-Vorstand Nils Müller in Düsseldorf unseren neuen Stromtarif Solarstrom plus. Der neuartige Tarif ermöglicht es Menschen in ganz Deutschland erstmals, sich für einen raschen Braunkohleausstieg engagieren, der für einen erfolgreichen Klimaschutz unverzichtbar ist. „Wir müssen die Förderung und Verstromung der Braunkohle bis 2030 vollständig beenden“, sagte Müller auf der Pressekonferenz. „Wir brauchen aber auch zukunftsfähige Perspektiven für die Menschen, die jetzt noch in der Braunkohle arbeiten.“

Solarstrom plus-Kundinnen und -Kunden unterstützen einerseits über einen Förderbetrag von einem Cent pro Kilowattstunde den Neubau von Photovoltaikanlagen direkt in Braunkohle-Tagebaugebieten. Zugleich erhalten sie in ihrem Strommix zehn Prozent Sonnenstrom aus PV-Anlagen, die ebenfalls direkt image3inden Braunkohlerevieren stehen. So profitieren die Regionen doppelt vom Engagement der Kunden. Dieser Ansatz mit größtmöglicher Einbeziehung von lokalen Partnern und regionalen Bürgerenergie-Akteuren ist besonders wirkungsvoll bei der Schaffung von neuen zukunftsfähigen Arbeitsplätzen in NRW (und den anderen deutschen Tagebauregionen im Lausitzer und im Mitteldeutschen Revier). Auch die Wertschöpfung durch regional anfallende Steuern, Gewinne und dort gezahlte Löhne fällt besonders hoch aus, wie eine aktuelle Studie des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung belegt, die wir auf der Pressekonferenz mit Fokus auf NRW ebenfalls vorgestellt haben. „Dies ist auch ein Signal an die Politik, wie der längst überfällige Strukturwandel erfolgreich angegangen werden kann“, sagt Nils Müller.

Die Berliner IÖW-Forscher weisen in ihrer Studie „Mehrwert einer regionalen Energiewende im Lausitzer und Rheinischen Revier“ unter anderem nach, dass durch den Ausbau von Wind- und Solaranlagen die (ohne einen KohleausstiegNRW_Arbeitsplätze Braunkohle vs. Solar-Wind) rund 4500 Braunkohle-Arbeitsplätze in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2030 vollständig ersetzt werden können. Bei einer genauen Analyse der Effekte direkt in den Tagebaugebieten ermittelte das IÖW, dass bei einem Ansatz wie Solarstrom plus mit hoher Beteiligung regionaler Akteure doppelt so viele Arbeitsplätze und eine doppelt so hohe Wertschöpfung entstehen wie durch ein – häufig übliches – Vorgehen, bei dem Planer, Finanziers und Betreiber der erneuerbaren Kraftwerke nicht in den Regionen angesiedelt sind. Bezogen auf das Rheinische Revier bedeutet dies, dass beim „Bürgerenergie“-Modell 819 Arbeitsplätze unmittelbar im Umkreis der Tagebaue entstehen könnten, beim „Investoren“-Modell hingegen nur 379 Stellen. Bei der Wertschöpfung waren es gut 136 Millionen Euro im Vergleich zu rund 70 Millionen. Ein großer Unterschied, der ebenso im gesamten Bundesland NRW sichtbar werden würde.

Für die Tagebau-Anrainerin Antje Grothus, deren Dorf Buir nach RWE- und Landesplanung künftig am Rand einer bis zu 450 Meter tiefen Grube liegen würde, ist es „ein ermutigendes Zeichen“, dass ihre Heimat durch Solarstrom-plus-Kundinnen und -kunden Unterstützung aus ganz Deutschland beim sozialverträglichen Umbau von einer Braunkohle- zur Erneuerbaren-Region erhält. Allerdings, mahnt sie an, müsse bei der Debatte um die „Sozialverträglichkeit“ des Wandels beachtet werde, dass es bei diesem Begriff nicht nur um die Arbeitsplätze in der Braunkohle gehen dürfe. Genauso müsse dabei an die Menschen gedacht werden, die ihre Heimat verlören und deren Gesundheit unter den Emissionen und Giftstoffen aus Tagebauen und Kraftwerken leide. „Der neue Tarif und die Studie zeigen, was möglich ist und wie erneuerbare Arbeitsplätze die alten ersetzen können. Das hilft uns sehr bei den Debatten um die Zukunft der Region“, sagte Grothus.

Die engagierte Klimaschützerin ist nun auch die erste Solarstrom-plus-Kundin im Rheinischen Revier. „So weiß ich, wohin mein Geld geht und wer davon profitiert: in meine Heimat und direkt zu Menschen, die saubere Solarkraftwerke betreiben und neue bauen.“

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