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Das unbeugsame Dorf

Proschim in der Lausitz hat 343 Einwohner und eine ungewisse Zukunft: In den kommenden Jahren soll das Dorf dem Braunkohletagebau Welzow-Süd weichen, den Menschen droht die Umsiedlung. Inzwischen ist Proschim zu einer Hochburg des Widerstandes gegen die Kohleförderung geworden. Am 20. Juni fand ein erneuter Protesttag statt, bei dem auch Greenpeace Energy mit dabei war.

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Protestplakat in einem Proschimer Fenster. Alle Fotos: Christoph Rasch / Greenpeace Energy eG

Es sind düstere Bilder: Das Kameraauge fliegt über die endlosen Mondlandschaften des Braunkohle-Tagesbaus, im Wechsel erscheinen aufgegebene Häuser und verfallene Straßenzüge. Viele Landstriche in der Lausitz-Region im äußersten Südosten Deutschlands stehen im wahrsten Sinne „Auf der Kippe“. So lautet auch der Titel eines neuen Dokumentarfilms, der an diesem Tag im Dorf Proschim Premiere feierte. Produziert worden ist der schon vor vier Jahren begonnene Film von der alternativen Mediengruppe graswurzel.tv.  „Es gibt keinen besseren Ort als Proschim für die Erstaufführung“, sagt Dokumentarfilmer Marco Kühne.

Tatsächlich passte die Filmpremiere bestens ins Programm des Aktionstages „Lausitz ohne Kohle“, zu dem mehr als 300 Menschen gekommen waren – neben Greenpeace-Gruppen waren auch Anti-Kohle-Aktivisten aus anderen vom Braunkohleabbau bedrohten Dörfern wie Atterwasch/Kerkwitz und Nochten gekommen. Vor dem Beginn des Film- und Bühnenprogramms formten die Teilnehmer auf einer Wiese in Proschim ein riesiges gelbes X als Protestzeichen gegen die drohende Abbaggerung.

HINTERGRUND Der schwedische Energiekonzern Vattenfall plant, seinen Braunkohletagebau südwestlich von Cottbus ab Mitte der 2020er Jahre auszubauen. Dann müssten rund 800 Einwohner umgesiedelt werden. Allerdings denkt der Staatskonzern Vattenfall auf Druck der schwedischen Regierung derzeit auch über den Verkauf seiner Kohlesparte nach. Seit Beginn der Braunkohleförderung mussten bereits 136 Dörfer in der Region den Baggern weichen. Mehr Infos hier.

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Menschenbild auf der Wiese: Die Proschimer sind nicht allein mit ihrem Widerstand.

„Das Wichtigste Signal heute ist: wir sind nicht allein“, sagt Organisator Alexander Tetsch, „sondern es sind Menschen aus Berlin, aus Dresden und sogar aus Polen gekommen, um uns zu unterstützen.“ Zudem sind an diesem Samstag alle Altersgruppen vertreten: Von der Rentnerin in sorbischer Tracht über Wackersdorf-Veteranen bis hin zu vielen jungen Leuten unter 20.

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Die protestierende Dorfgemeinschaft nach einem Gottesdienst in der Proschimer Kirche.

Auch einige Politiker hatten den Weg nach Proschim gefunden: „Wir demonstrieren hier für die selbstbestimmte Entscheidung, die Braunkohle dort liegen zu lassen, wo sie seit Millionen von Jahren liegt“, sagte Gerd Lippold, energie- und klimapolitischer Sprecher der Grünen in Sachsen. Er wies darauf hin, dass die in der Lausitz abgebaggerte Kohle  inzwischen sogar zu großen Teilen nach Tschechien transportiert wird, weil sie in Deutschland nicht gebraucht werde – und forderte wie zahlreiche andere Redner auf dem Aktionstag einen Strukturwandel für die Region, hin zu erneuerbaren Energien.

Greenpeace Energy hat den Aktionstag in Proschim unterstützt und will sich künftig stärker vor Ort für den Anti-Braunkohleprotest und für wirtschaftliche Alternativen zur Kohleverstromung einsetzen, um diesen Wandel mit zu begleiten.

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