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Genossenschafts-Kongress: Best-Practice und spannende politische Botschaften

Die deutschen Genossenschaften luden heute zum traditionellen Jahresempfang nach Berlin. Auch Greenpeace Energy als bundesweit aktive Energiegenossenschaft war mit mehreren Vertretern dabei. Umrahmt wurde der Empfang von einem ganztägigen Kongress zur genossenschaftlichen Energiewende – mit vielen interessanten Einblicken.

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Kongress und Jahresempfang fanden unter der futuristischen Glaskuppel der genossenschaftlichen DZ Bank direkt am Brandenburger Tor statt. Fotos (4): Christoph Rasch / Greenpeace Energy eG

In Dänemark findet man – was die dezentrale Energiewende angeht – noch „goldene Eier“. So umschreibt Erik Christiansen, Vorsitzender der Middelgrunden Wind Turbine Cooperative, den positiven Umstand, dass dort hunderte Energiegenossenschaften seit vielen Jahren aktiv sind. „In Dänemark ist die Energie in den Händen der Bevölkerung und eine Angelegenheit der Bürgerinnen und Bürger“, so Christiansen in seinem Vortrag auf dem Bundeskongress genossenschaftliche Energiewende in Berlin: „Unser Ziel: 100 Prozent Erneuerbare bis 2035.“

Es waren konkrete Beispiele wie aus Dänemark, die den Kongress mit seinen mehr als 200 Gästen zu einer höchst interessanten Ideen-Werkstatt werden ließen – nicht nur beim Blick ins benachbarte Ausland, nach England oder Belgien. Energiegenossenschaften aus ganz Deutschland stellten spannende Projekte in Sachen Elektromobilität, Digitalisierung oder Kooperationen mit der Wohnungswirtschaft vor. Einblicke in Best-Practice-Erfahrungen hier, deutliche Statements dort: „Wir sollten den großen Konzernen nicht erlauben, die Energiewende zu vereinnahmen – sondern wir sollten sie dezentral und in Bürgerhand halten“, sagte Dirk Vansintjan, Präsident beim Verband der Europäischen Energiegenossenschaften REScoop.

Schnelle Ergebnisse bei Winterpaket und Mieterstrom?

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Paula Abreu Marques war als Vertreterin der EU-Kommission zum Kongress gekommen.

Spannend waren auch die Beiträge der geladenen Gäste aus der Politik. So äußerte die Vertreterin der EU-Kommission, Paula Abreu Marques, die Hoffnung, dass im Jahr 2030 lokale „Energy Communities“ – also Bürgerprojekte und Genossenschaften – rund 20 Prozent der in Europa installierten Wind- und Solarkapazitäten stellen könnten. Das vor wenigen Wochen von der Kommission vorgelegte „Winterpaket“ mit Entwürfen für entsprechende Richtlinien ebne dafür den Weg, so Marques. Die Leiterin für den Bereich erneuerbare Energien bei der Generaldirektion Energie kündigte an, dass sich Kommission, Europäischer Rat und EU-Parlament noch bis Ende diesen Jahres über die Inhalte des Pakets verständigen wollen – deutlich früher als bisher bekannt.

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Wirtschaftsministerin Zypries gab sich optimistisch, dass es beim Thema Mieterstrom-Förderung bald eine Einigung geben könnte.

Die neue Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, Brigitte Zypries (SPD) lobte in ihrem Grußwort die genossenschaftliche Idee. Diese sei „nicht nur eine Rechtsform, sondern auch eine Geisteshaltung, die wir in diesen Zeiten brauchen.“ Zypries zeigte sich zuversichtlich, dass die Politik dezentrale und genossenschaftliche Akteure konkret unterstützen könne – etwa bei neuen Fördermöglichkeiten für Mieterstrommodelle. „Ich hoffe, dass wir das Thema noch in dieser Woche positiv verhandeln können“, sagte die Ministerin unter dem Applaus der Gäste.

INFO Weltweit sind rund 800 Millionen Menschen in Genossenschaften organisiert. In Deutschland vereinen die fast 8.000 Genossenschaften mehr als 22 Millionen Mitglieder. Seit mehr als 160 Jahren sind Genossenschaften im Finanzwesen, in der Landwirtschaft, in Handel und Gewerbe oder im Wohnungsbau erfolgreich. Aber auch für aktuelle Herausforderungen wie eine bürgernahe Energiewende, ein menschenwürdiges Wohnen im Alter oder die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bieten Genossenschaften innovative Antworten. (Quelle: DGRV)

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