Marcel Keiffenheim (2. v. l.) bei der dena-Abschlussdebatte (Foto: © Michael Friedrich / Greenpeace Energy eG)

„Das Pariser Klimaabkommen ändert alles“

Einerseits das EEG 2016, das die Energiewende mehr bremst als voranbringt, andererseits die große Herausforderung, die sich aus dem globalen Klimaabkommen von Paris ergibt – das war das Spannungsfeld auf der „Jahreskonferenz Power to Gas 2016“ der Deutschen Energie-Agentur (dena) gestern in Berlin. Dort diskutierten gut 200 Entscheider und Experten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft über die Rolle und die Chancen von Power to Gas oder Windgas bei der Umsetzung der Energiewende in Deutschland.

Marcel Keifenheim , Leiter Politik und Kommunikation des Windgas-Pioniers Greenpeace Energy (2. v. l.), debattierte auf dem Abschlussforum der Konferenz u.a. mit dem schleswig-holsteinischen Umweltminister Robert Habeck (Grüne; 3. v. l.) und dena-Chef Andreas Kuhlmann (ganz rechts) die zentralen Ergebnisse einer neuen Studie (siehe Blog vom 20. Juni) zu den Konsequenzen von Paris : „Das Pariser Klimaabkommen ändert alles. Wenn wir es ernst nehmen,  müssen unsere CO2-Emissionen bereits bis 2040 auf Null sinken, nicht nur im Strombereich, sondern auch im Verkehr, bei  Wärmeversorgung und Industrie, die wir ebenfalls dekarbonisieren müssen“, sagte Keiffenheim. „Dort wird in Zukunft erneuerbarer Strom die Energie liefern, die heute aus Öl und Gas stammt. Um das zu schaffen, müssen wir die Erneuerbaren also viel schneller und viel stärker ausbauen als bisher geplant.“ Auch die Kohleverstromung müsse bis 2030 enden, anders seien die Klimaziele nicht zu erreichen. Mit dem EEG 2016 hingegen werde Deutschland sie weit verfehlen.

„Die nötige  Versorgungssicherheit, wenn Wind, Sonne und die anderen Erneuerbaren  die Energieversorgung zu 100 Prozent übernommen haben, bietet nur die Windgas-Technologie. Paris bedeutet deshalb auch: Wir müssen Windgas nun rasch als erneuerbaren Energiespeicher ausbauen. Nach unseren Berechnungen ist im Jahr 2040 eine Elektrolyseurleistung von mindestens 80 GW erforderlich, um den nötigen Wasserstoff zu produzieren“, erläuterte Keiffenheim.

„Wenn es darum geht, das Klima zu schützen, erneuerbare Energie zu speichern und über den Stromsektor hinaus nutzen zu können, dann ist Power to Gas eine sehr spannende Lösung“, betonte auch dena-Chef Kuhlmann. „Doch unter den aktuellen energiepolitischen Rahmenbedingungen hat dieses Multitalent keinen fairen Zugang zum Markt. “

Trotz der entscheidenden Rolle von Windgas für das Gelingen der Energiewende wird es im Erneuerbare-Energien-Gesetz 2016 nicht berücksichtigt. „Wir sind Technologieführer, Power to Gas ist bereit für die Einführung und nix passiert. Das ist so, als ob der Ball auf dem Punkt liegt und  sich die Bundesrierung weigert, zum Elfmeter anzutreten“, monierte Umweltminister Robert Habeck bei der Debatte.

 

 

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