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Polen: Regionen als Motor der Energiewende

Während Polens offizielle Energiepolitik vor allem auf den alten Kohlekraftwerkspark sowie auf Neubaupläne für einen Atommeiler setzt, regen sich auf der regionalen Ebene, in den Städten und Gemeinden, zahlreiche neue Initiativen und Ideen für mehr Erneuerbare. Auf einer Konferenz in Warschau fand diese „Energiewende von unten” heute ihr Forum – und Greenpeace Energy war als Diskussionsteilnehmer mit dabei.

„Wenigstens mal ein Tag ohne Smog, man kann sogar das Fußballstadion am gegenüberliegenden Flußufer erkennen”, freute sich Wiesław Raboszuk, Marschall der Region Mazowien in seinem Grußwort zur Eröffnung der Konferenz „Dobra Energia”. Die Luftverschmutzung ist ein Riesenthema in Polen, das noch immer mehr als 90 Prozent seines Strombedarfs mit Stein- und Braunkohle deckt.

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Die Konferenz „Dobra Energia“ bot ein Forum für den Austausch regionaler Initiativen. Fotos (3): Jolanta Mleczak / Gajatfilm

Es sind die zwei Gesichter der Energiepolitik in Polen: Gestern erst hatte die nationalkonservative Regierung ihr Gesetz zur Einführung von Kapazitätsmärkten durchs Parlament bekommen – und damit eine neue Möglichkeit geschaffen, die schmutzigen Kohlekraftwerke des Landes zu alimentieren. Einen Tag später sind hier im Warschauer Kongresszentrum rund 200 Menschen, viele davon aus den Städten und Regionen des Landes, zusammengekommen, um über den Weg hin zu mehr „Dobra Energia” – guter, sprich grüner Energie – zu diskutieren. Und um gemeinsame Lösungen zu entwicklen, die notfalls auch losgelöst von der kohlefreundlichen Politik der PiS-Regierung umsetzbar sind. Der Regionalpolitiker Raboszuk und zahlreiche seiner Kolleginnen und Kollegen aus den Verwaltungen anderer polnischer Wojewodschaften konstatierten: „Wenn eine Energiewende in Polen gemacht wird, dann aus den lokalen Regierungen heraus.”

Die Organisatoren der Konferenz – die Verlagsgruppe Agora, die die regierungskritische Zeitung Gazeta Wyborcza herausgibt – hatten auch Greenpeace Energy zur Konferenz eingeladen, um über die aktuellen Energiewendetrends in Deutschland zu berichten – und über mögliche Lerneffekte für Polen. „Polen darf sich nicht in konventionellen Technologien einschließen, die die Energieversorgung am Ende nicht nur schmutziger, sondern auch teurer machen”, so Christoph Rasch von Greenpeace Energy während der Podiumsdiskussion mit Energieexperten und Unternehmensvertretern. „Die Zukunft der europäischen Energieversorgung geht in Richtung einer noch stärkeren Dezentralisierung, mit großen Möglichkeiten für erneuerbare Prosumer-Gemeinschaften”, so Rasch.

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Christoph Rasch von Greenpeace Energy stellte die Erfolge und den aktuellen Stand der Energiewende in Deutschland vor – und diskutierte mit den Vertretern aus Regionen und Unternehmen, was Polen davon lernen kann.

Einige Regionen wie etwa Masuren haben das Thema Prosumer-Förderung bereits für sich entdeckt und entsprechende Programme aufgelegt, um den Eigenverbrauch und auch die Versorgung von Nachbarschaften zu fördern, berichtete eine Vertreterin der dortigen Behörde. Und auch der Verwaltungsvertreter aus der Kohleregion Schlesien fordert ein Umdenken: „Niemand stellt die Frage, was eigentlich nach der Kohle kommt”, sagte er. „Klar ist nur: Selbst wenn wir weiterhin auf Kohle setzen, werden die Reserven in den nächsten Jahren immer knapper.”

Wie aber kann eine Energiewende von unten, aus der lokalen und regionalen Ebene gelingen? Unter anderem durch mehr Partizipation: „Die Politik muss die Bürgerinnen und Bürger aktivieren und ihre direkte Beteiligungen ermöglichen – als Mitentscheider oder auch als Geldgeber, etwa für kommunale Energieprojekte”, so Rasch. Vor allem die starke Bürgerbeteiligung habe der Energiewende in Deutschland zum Durchbruch verholfen.

INFO Mehr zur Konferenz in Englisch und Polnisch finden Sie hier.

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