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An der Wurzel unseres Windgases – Julia Verlinden besucht Enertrag-Elektrolyseur

Zwei Gründe haben Julia Verlinden veranlasst, von Berlin in die Brandenburgische Uckermark zu fahren: Zum Einen denkt die Energiepolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion darüber nach, mit welchen politischen Rahmenbedingungen sie den weiteren Erfolg von Windgas unterstützen kann. Schließlich ist die Power-to-Gas-Technologie notwendig für das Gelingen der Energiewende. Zum Anderen ist Verlinden aber auch proWindgas-Kundin bei Greenpeace Energy und von daher persönlich neugierig darauf, wo eigentlich das erneuerbare Gas herkommt, das ihr im Winter die Bude wärmt.

Die zwei Bahnstunden zwischen Berlin und Prenzlau nutzen Verlinden, ihr Mitarbeiter Daniel Kluge und Marcel Keiffenheim von Greenpeace Energy für den Austausch darüber, warum wir Windgas so wichtig finden: Weil heute kein sauberer Windstrom mehr abgeregelt werden müsste, nur weil die Stromnetze nicht ausreichen und weil Windgas Solar- und Windstrom beliebig lange speicherbar macht, was bei hohen Anteilen erneuerbarer Energien im Stromnetz die Voraussetzung für Versorgungssicherheit ist. Und warum die Bundesregierung gleichwohl zögert, faire Rahmenbedingungen für Windgas zu schaffen. Zwei mögliche Gründe tauchen im Gespräch auf: Das Argument, der Erneuerbaren-Ausbau müsse gebremst werden, weil die Stromnetze noch nicht zur Verfügung stünden, fiele weg. Und konventionelle – schmutzige – Kraftwerke würden dank Windgas auch nicht mehr gebraucht; zu einem Ausstieg aus der Kohle kann sich die Bundesregierung bislang aber noch nicht politisch durchringen.

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Enertrag-Chef Jörg Müller führt Julia Verlinden über das Gelände bei Prenzlau. Fotos (3): Marcel Keiffenheim / Greenpeace Energy eG

Im Begrüßungsgespräch bei Enertrag räumt Firmenchef und -gründer Jörg Müller ein weiteres Gegenargument ab, das die Fossil-Freunde gerne gegen erneuerbare Energien anführen: Jobs. Enertrag, hat Müller ausgerechnet, schafft doppelt soviele Arbeitsplätze je erzeugter Kilowattstunde Strom wie der Braunkohle-Konzern Leag (vormals Vattenfall), der ja ebenfalls in Brandenburg aktiv ist. Es ist aber auch beeindruckend, was Enertrag da in die brandenburgische Provinz gesetzt hat. Hunderte von Windrädern natürlich, dazu ein unterirdisch verlegtes Arealnetz, das die Mühlen miteinander verbindet plus eine ständig besetzte Leitwarte, die den Betrieb ununterbrochen überwacht und steuert. Dank modernster Technik müssen die Windanlagen dabei gar nicht in der Nähe stehen – auch Mühlen im Rest der Republik, dem benachbarten Ausland und sogar Fernost lassen sich so überwachen.

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Der Elektrolyseur, der die Kundinnen und Kunden von Greenpeace Energy mit erneuerbarem Wasserstoff beliefert.

Der Clou aus Sicht unserer Besuchergruppe ist jedoch der Elektrolyseur, der erste überhaupt, der in Deutschland zum Zwecke der Umwandlung von Windstrom in erneuerbares Gas entstand. Greenpeace Energy hat die Entwicklung von Anfang an begleitet; seit einigen Jahren bezieht die Ökoenergie-Genossenschaft daraus Windgas; momentan etwa ein Drittel der an die proWindgas-Kunden gelieferten Menge. Deswegen ist Julia Verlinden nach Prenzlau gefahren. Aber Windgas zum Anfassen im Wortsinne kriegt sie natürlich nicht geboten. Stattdessen zwei Betriebsgebäude mit Rohren, Tanks, Leitungen. „Das ist ein Nachteil der Energiewende“, kommentiert Jörg Müller, „die Erneuerbaren sind immer versteckt in irgendwelchen Leitungen.“ Der erste Enertrag-Elektrolyseur sei noch vergleichsweise groß, erzählt Müller, heute passe die gesamte Technik in einen Container. Immerhin habe sich der Erstling als äußerst zuverlässig erwiesen. „Während die Zusatzkomponenten schon mal Probleme machen, läuft der Elektrolyseur selbst vom ersten Tag an ohne irgendwelche Probleme“, so der Enertrag-Chef stolz.

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Marcel Keiffenheim (rechts), Leiter Politik und Kommunikation bei Greenpeace Energy, begleitete Julia Verlinden nach Prenzlau. Foto: Daniel Kluge

Auf der Bahnfahrt zurück nach Berlin nehmen sich Verlinden und Keiffenheim noch einmal die Rahmenbedingungen für Windgas vor. Ein wichtiger Schritt wäre, sind sie sich einig, Elektrolyseure dann von zusätzlichen Abgaben zu befreien, wenn sie Windstrom nutzen, der sonst aufgrund von Netzengpässen nicht produziert werden könnte. Denn das spart Entschädigungszahlungen und führt damit unterm Strich zu niedrigeren Strompreisen für die Verbraucher, sorgt für eine bessere CO2-Bilanz des Stromsystems und hilft, die Windgas-Kapazitäten wirtschaftlich klug aufzubauen, damit die Energiewende schnell und kostengünstig gelingt.

INFO Mehr zum Thema proWindgas finden Sie hier.

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