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Ein Blick in die Zukunft der Energieversorgung

Was moderne Speichertechnik und Software im Zusammenspiel mit erneuerbaren Kraftwerken schon heute an komplexen Leistungen für die Energieversorgung zu bieten haben, wurde heute im fränkischen Haßfurt der Öffentlichkeit präsentiert. Dort nahmen die Stadtwerke Haßfurt und der Hamburger Ökoenergieanbieter Greenpeace Energy ihren neuen hochmodernen Elektrolyseur in einer feierlichen Zeremonie offiziell in Betrieb.

Der in der fränkischen 14.000-Einwohner-Stadt eingesetzte 1,25-Megawatt-Elektrolyseur von Siemens gehört zur aktuellsten Generation: Die PEM-Anlage (PEM = polymer electrolyte membrane) produziert nicht nur Wasserstoff oder Windgas, sondern verhindert auch Ausfälle im lokalen Stromnetz, wo Erzeugung und Verbrauch immer im Gleichgewicht bleiben müssen (siehe auch unseren anderen Blogbeitrag von heute zum Thema). Pro Jahr wird der containergroße Elektrolyseur eine Million Kilowattstunden des Öko-Gases für die 14.000 proWindgas-Kunden von Greenpeace Energy ins Gasnetz einspeisen.

Bei der Zeremonie in der Stadthalle Haßfurt vor mehr als 120 Gästen wurde aber nicht nur die innovative Windgas-Technologie vorgestellt. Greenpeace-Energy-Vorstand Nils Müller setzte das aktuelle Ereignis zunächst einmal in den Kontext der img_5210gegenwärtigen politischen Debatte und der Erfordernisse für den Klimaschutz, die sich aus dem Pariser Weltklimaabkommen ergeben, das am 4. November 2016 offiziell in Kraft treten wird: „Wenn wir die Paris-Ziele ernst nehmen, müssen wir die Energiewende schon im Jahr 2040 geschafft haben. Bis dahin müssen wir den Ausstoß an Klimagasen auf Null gesenkt haben“, erläuterte er dem Publikum. „Mit dem gegenwärtigen Energiewende-Tempo werden wir aber noch bis zum Jahr 2150 brauchen.“

„87 Prozent der Energiewende liegen noch vor uns“  –
Nils Müller, Vorstand von Greenpeace Energy

 

img_5186Raunen im überraschten Publikum, denn in der öffentlichen Wahrnehmung ist Deutschland schließlich Energiewende-Weltmeister. Tatsächlich aber, erklärte Müller, „liegen 87 Prozent der Energiewende noch vor uns, denn im Verkehr, im Wärmesektor und in der Industrie, speziell bei der Chemie, stehen wir bei der Dekarbonisierung noch komplett am Anfang“.  Für eine erfolgreiche Energiewende in allen Wirtschaftssektoren könne nur Windgas die nötigen Mengen an erneuerbaren Treibstoffen, Roh- und Brennstoffen bereitstellen, sagte der Greenpeace-Energy-Vorstand.

Haßfurt geht dabei mit gutem Beispiel voran: Es produziert in eigenen Windparks wie dem unter anderem mit Greenpeace Energy betriebenen Bürgerwindpark Sailershäuser Wald sowie weiteren Windkraft- und Solaranlagen – rechnerisch betrachtet – weit mehr Energie als es verbraucht, wie Stadtwerk-Chef Norbert Zösch img_5214den Gästen demonstrierte. Die fränkische Stadt am Main hat als erste deutsche Kommune schon jetzt alle Haushalte mit Smart Metern ausgestattet und kann so Einspeisung des Grünstroms und den aktuellen Verbrauch sekundengenau abgleichen und die Leistung der Kraftwerke entsprechend steuern.

Der neue Elektrolyseur nimmt in diesem System eine wichtige Rolle ein. Wenn die Stromproduktion den Verbrauch übersteigt, produziert der „Silyzer 200“ aus dem überschüssigen Stroms Wasserstoff. Die Anlage reagiert fährt ihre Leistung binnen PRESSEKONFERENZ STADTWERKE HASSFURT/GREENPEACE ENERGY, VORSTELLUNG ELEKTROLYSEURweniger Sekunden hinauf oder hinunter. Dank seiner außerordentlich hohen Reaktionsgeschwindigkeit kann der Elektrolyseur sogenannte Regelenergieleistung bereitstellen, also die für eine stabile und sichere Energieversorgung wichtige – und von den Netzbetreibern entsprechend vergütete – Fähigkeit, das lokale Stromnetz, aber auch das regionale Verteilnetz zu stabilisieren.

Wie das genau funktioniert, erläuterte Dr. Jochen Tackenberg von der Kölner Firma Next Kraftwerke, die über eine selbst entwickelte Steuerungssoftware „Virtuelle Kraftwerke“ aus Tausenden meist kleineren, dezentralen Erneuerbare-Energie-Anlagen zusammenschalten kann. „Zusammen kommen diese Anlagen auf rund zweiimg_5232 Gigawatt Leistung“, erklärte Tackenberg, „das entspricht der Leistung zum Beispiel zwei großen Kohlekraftwerken.“ Diese virtuellen Kraftwerke lassen sich dann, wie auch der Haßfurter Elektrolyseur, gemeinsam in der Leistung hinauf- und hinabregeln. So werden die Stromnetze entlastet, auch ein teurer Netzausbau kann so teilweise vermieden oder erst später in Angriff genommen werden, was die Kosten des gesamten Stromsystems senkt.

Mit dieser hochmodernen Technik und Software, die im heute gestarteten Pilotprojekt in Haßfurt kombiniert ist, ist schon jetzt ein Blick in die Zukunft der Energieversorgung möglich. Was heute futuristisch wirkt, wird vielleicht schon in einigen Jahren ein Standard sein, der es den Kommunen, den Energieversorgern und der Wirtschaft ermöglicht, in einem künftig vollständig erneuerbaren Energiesystem die stabile Versorgung zu gewährleisten, die für ein hochindustrialisiertes Land wie Deutschland unverzichtbar ist.

„Innovative Städte wie Haßfurt zeigen, wie wir die Energiewende erfolgreich gestalten können“, sagte Nils Müller von Greenpeace Energy vor den geladenen Gästen, darunter viele Bürgermeister und Landräte der umliegenden Kreise. „Wir sind stolz, dass wir die Stadtwerke Haßfurt als Partner haben und wir es gemeinsam geschafft haben, dieses inspirierende Projekt von der Idee zur Wirklichkeit werden zu  lassen.“

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wind_broINFO Mehr zum Thema Windgas finden Sie in der neuen Broschüre „Wind wird Wasserstoff – warum Windgas für die Energiewende unverzichtbar ist“. Die 28-seitige Publikation finden Sie als PDF-Version hier zum Download.

 

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