An diesem Montag, 8. Januar 2018, will der Energiekonzern RWE mit dem Abriss des „Immerather Doms“ beginnen. Seit 1891 ist die Kirche Sankt Lambertus im früheren Ortskern von Erkelenz-Immerath mit ihrer Doppelturmfassade ein Wahrzeichen der Region, von den Menschen ringsum wegen ihrer Bedeutung liebevoll „Dom“ genannt. Seit heute ist sie Symbol für die Zerstörung durch die Braunkohle im Rheinischen Revier.

Allein in den vergangenen 50 Jahren mussten 16 jahrhundertealte Dörfer dem Tagebau Garzweiler weichen. Es ist mehr als ein Verlust von Heimat, es ist ein Verlust von Identität, wie die Aktivistin Antje Grothus aus Kerpen-Buir schreibt, die sich seit langem für einen raschen Braunkohleausstieg und eine erneuerbare Zukunft ihrer Region engagiert:

Antje Grothus im Dezember 2017 im Hambacher Wald (Foto: Michael Goergens)

In die Freude über den Rodungsstopp im Hambacher Wald bis Oktober 2018 mischt sich zu Beginn neuen Jahres im Rheinischen Braunkohlerevier die Trauer darüber, dass RWE sein Zerstörungswerk am Immerather Dom vollenden will: Sein Abriss ist nur ein Beispiel für die Absurdität der Braunkohleförderung in unserem Jahrtausend, in dem die Erneuerbaren Energien das Verbrennen von Braunkohle längst überflüssig machen und die Klimakrise  einen schnellen Ausstieg aus dieser klimaschädlichsten aller Energieerzeugungsmethoden erfordert.

Doch der Energiekonzern macht weiter mit dem Ausverkauf des Landes Nordrhein-Westfalen – mit freundlicher Unterstützung der neuen Landesregierung in Düsseldorf. Warum eigentlich hat diese im Sommer 2017 eigens ein Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen geschaffen? „Ziel der neuen Landesregierung ist es, Heimat zu stärken. Denn wo das Heimatgefühl stark ist, fühlen sich Menschen wohl und sicher“, schrieben die Koalitionäre von CDU und FDP. Wie passt das zusammen mit den Schicksalen der Menschen, die mit ihrer Heimat und ihrem Zuhause auch ihr Heimatgefühl verlieren? Der Heinsberger Landrat Stephan Pusch hat die Betroffenen am Tagebau Garzweiler II als „die Heimatvertriebenen des 21. Jahrhunderts“ bezeichnet.

„Der Braunkohletagebau vernichtet die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft“

Dass der Braunkohletagbau die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft vom Menschen vernichtet, wurde mir erst kürzlich beim Lesen der Zeilen eines Unterzeichners meiner Petition zur Rettung des Hambacher Waldes besonders bewusst, der zugleich Bewohner unseres Dorfes direkt am 12.000 Jahre alten Wald ist: „Der Hambacher Forst war für mich neben dem Fußballplatz die Spielwiese meiner Kindheit/Jugend mit Verstecken spielen, Maiglöckchen pflücken, einfach nur rumsitzen und auf die Geräusche des Waldes und der Tiere hören. (…) Dies wird mir alles geraubt. Ich fühle mich, als wäre mir ein Teil meiner Seele aus dem Leibe gerissen!’“

Viele Anwohner, unter ihnen auch Antje Grothus, nahmen vor dem Abriss an Mahnwachen und ökumenisch-politischen Gebeten teil, um ihrem Dom einen würdigen Abschied zu bereiten. So wollen sie ein Zeichen setzen: Kein weiteres Dorf, kein weiterer Wald darf mehr für die Braunkohle zerstört werden.

Wie eine erneuerbare Zukunft der Braunkohleregionen sozialverträglich, also mit zukunftsfähigen Arbeitsplätzen und mit maximalem Nutzen für die Menschen, in den Tagebaurevieren gestaltet werden kann, dafür legte Greenpeace Energy im Mai 2017 eine Blaupause vor und startete zugleich seinen neuen Braunkohleausstiegs-Tarif Solarstrom plus.

Mit Solarstrom plus haben Menschen in ganz Deutschland die Möglichkeit, sich direkt für das Ende der Braunkohle und zukunftsfähige Jobs in der Lausitz, dem Rheinischen und dem Mitteldeutschen Revier zu engagieren. Dort finanzieren sie durch einen im Strompreis enthaltenen Förderbetrag den Bau neuer Photovoltaikanlagen.

In diesen Regionen müssen grüne Jobs Arbeitsplätze in der Braunkohleförderung und -verstromung ersetzen. Zugleich beziehen Solarstrom-plus-Kunden Strom aus konkreten PV-Anlagen von Solarstromproduzenten, mit denen Greenpeace Energy kooperiert. So profitieren die Regionen doppelt vom Engagement der Kunden.

 Sie wollen den Braunkohleausstieg voranbringen und interessieren sich für Solarstrom plus? Hier finden Sie weitere Informationen zu unserem Stromtarif, der direkt zum Ausbau der erneuerbaren Energien in den Tagebaurevieren beiträgt. Sie wollen Sonnenenergie direkt von Greenpeace-Energy-Partnern in den Braunkohleregionen beziehen? Dann werden Sie Kundin oder Kunde von Solarstrom plus. Das geht ganz einfach – hier!