Wenn ein ehrgeiziger Ausbau von Windkraft und Solaranlagen über die bisherige EEG-Planung hinaus den geplanten Kohleausstieg begleitet, kann dies den Strompreis und die europäischen CO2-Emissionen deutlich senken. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Analysehauses Energy Brainpool im Auftrag des Ökoenergieanbieters Greenpeace Energy.

Sönke Tangermann, Vorstand bei Greenpeace Energy. Foto: Christoph Eckelt / Greenpeace Energy eG, Foto oben: Sabine Vielmo, Greenpeace Energy eG

Pro zehn Terawattstunden zusätzlich bereitgestellter Ökoenergien sinkt der Strompreis demnach um 60 Cent pro Megawattstunde bis 2022 oder um 1,49 Euro bis 2038. Für den gleichen Erneuerbaren-Zubau sinken die CO2-Emissionen im europäischen Kraftwerkspark im Jahr 2022 um 4,6 Millionen Tonnen. „Diese Zahlen untermauern, wie sinnvoll es ist, auf ehemaligen Tagebauflächen zusätzliche Wind- und Photovoltaik-Anlagen zu errichten, wo im Zuge des Braunkohleausstiegs enormes Flächenpotenzial dafür entsteht“, sagt Sönke Tangermann, Vorstand bei Greenpeace Energy: „Jetzt müssen die politischen Weichen so gestellt werden, dass wir die großen Vorteile von günstigem und sauberem Ökostrom bei der Ausgestaltung des Kohleausstiegs bestmöglich nutzen.“

Ein ehrgeiziger Erneuerbaren-Ausbau kann die Strompreise dämpfen. Foto: fotolia

Seitdem der Kompromiss der Kohlekommission vorliegt, warnt vor allem die Industrie vor stark steigenden Strompreisen durch den Kohleausstieg. Das Bundesumweltministerium wiederum verweist auf eine Studie, die einen gegenteiligen Effekt prognostiziert. Die Untersuchung von Energy Brainpool berechnet nicht die absolute Höhe des Strompreises, sondern den dämpfenden Effekt eines zusätzlichen Erneuerbaren-Ausbaus. Dieser wirkt unabhängig vom jeweils erwarteten Strompreis-Niveau. Die genannten Ergebnisse basieren auf dem jüngsten Szenario der Internationalen Energieagentur IEA, das von der Einhaltung der europäischen Klimaziele ausgeht. Aber selbst wenn – mit katastrophalen Folgen fürs Klima – Europa von den eigenen CO2-Minderungszielen abrücken würde, hätte ein zusätzlicher Erneuerbaren-Ausbau in den Braunkohle-Regionen einen spürbaren Effekt: Der Strompreis pro Megawattstunde würde dann immer noch um 51 Cent (2022) bzw. 1,29 Euro (2038) sinken. Auch hier wurde als „Maßeinheit“ ein Erneuerbaren-Zubau von 10 TWh zugrunde gelegt. Bei einem – ebenfalls möglichen Zubau von 20 oder 30 TWh würde sich diese genannten Werte entsprechend erhöhen.

„Die Bundesregierung muss in einem kommenden Klimagesetz den schnellen Ausbau von Wind- und Solarenergie gezielt auf frei werdenden Tagebauflächen ermöglichen“, sagt Tangermann. Es gelte, die Empfehlungen der Kohlekommission unbedingt um eine konkrete Ausbauplanung in den Braunkohleregionen zu ergänzen. Um dies von der Politik einzufordern, hat Greenpeace Energy dazu auf den Seiten von der Bewegungsplattform Campact eine entsprechende Online-Petition gestartet, die ab sofort von Bürgerinnen und Bürgern mitgezeichnet werden kann. Die Unterschriften sollen im Zuge der weiteren Beratungen zum Kohleausstieg an die Bundesregierung übergeben werden.

Greenpeace Energy hatte Ende 2018 das Konzept „ReinRevierWende“ für die Nutzung der durch den Kohleausstieg freiwerdenden Braunkohle-Tagebauflächen vorgelegt. Danach würden sich die neuen Ökostrom-Anlagen in Hand von Bürgern und Kommunen befinden und so besonders große Arbeitsplatz- und Wertschöpfungseffekte für die betroffene Region entfalten.

Info Mehr zum Erneuerbaren-Konzept von Greenpeace Energy im Rheinischen Revier gibt es unter www.reinrevierwende.de. Die Online-Petition zum forcierten Ausbau erneuerbarer Energien in Braunkohlegebieten ist hier erreichbar.