Seit knapp einem Jahr gibt es in Deutschland ein Gesetz, mit dem so genannte Mieterstrommodelle gefördert werden: Also einen staatlichen Zuschuss für Solaranlagen auf den Dächern von Mehrparteienhäusern, die Mieterinnen und Mieter mit selbstproduziertem grünem Strom versorgen. Denn mit Mieterstrom, so der Wille der Politik, soll die Energiewende mittelfristig in die Städte getragen werden.  Auch Greenpeace Energy ist als Anbieter von Mieterstromlösungen und entsprechendem Know-How aktiv – so etwa auch auf dem ersten bundesweiten Mieterstromtag, der jetzt in Stuttgart stattfand.

Gute Gründe gibt es viele für Mieterstrom – ökologische wie finanzielle: Nutzer können ihre CO2-Emissionen für Jahrzehnte drastisch reduzieren. Und Mieter können viel Geld sparen, weil der Strom vom Hausdach deutlich günstiger ist als Strom aus dem Netz. Dafür sorgt auch das Mieterstromgesetz, das im Sommer 2017 vom Bundestag beschlossen wurde, das zum Beispiel die Kosten für den Mieterstrom bei 90 Prozent des Grundversorgertarifs deckelt.

Mieterstromprojekt von Greenpeace-Energy in Hamburg. Foto: Sabine Vielmo / Greenpeace Energy eG

„Das neue Gesetz kann zumindest eine gewisse Initialzündung sein“, sagte Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer beim Bundesverband Solarwirtschaft zur Eröffnung des Stuttgarter Mieterstromtages, „allerdings müssen die rechtlichen Rahmenbedingungen noch weiter verbessert werden.“ So betonte der BSW-Chef in Stuttgart etwa die Forderung nach Abschaffung der EEG-Umlage auf Direktversorgung sowie die Befreiung kleiner Projekte von den bürokratischen Pflichten für Energieversorger.

Wo steht die Branche nach knapp einem Jahr Mieterstromgesetz? Der vom Solarverband im Rahmen der Initiative „sonneteilen“ organisierte Mieterstromtag in der baden-württembergischen Landeshauptstadt bot ein erstes Stimmungsbild. Rund 80 Teilnehmer – viele davon aus der Wohnungs- oder Energiewirtschaft waren zur ganztägigen Konferenz gekommen. Noch immer halten sich viele Anbieter wie etwa Stadtwerke mit Engagement im Bereich Mieterstrom zurück, weil Projekte trotz Förderung nicht wirtschaftlich erscheinen oder die Nachfrage auf Vermieterseite noch zu gering ist. Aus der Wohnungswirtschaft hieß es, dass viele der eigenen  Mitgliedsunternehmen noch Vorbehalte hätten, weil Expertise und Personal fehlten – und man deshalb vielfach auf spezialisierte Dienstleister setze.

Mieterstrom-Experte Erich Pick im Gespräch mit Besuchern des Mieterstromtages. Fotos (3): Christoph Rasch / Greenpeace Energy eG

Greenpeace Energy gehört zu den wenigen Anbietern in Deutschland, die bereits bei der Verwirklichung von Mieterstromprojekten aktiv sind. Mehrere Projekte sind in Vorbereitung, ein Mieterstromvorhaben in Hamburg ist bereits vor Inkrafttreten der gesetzlichen Förderung realisiert worden. „Für uns ein wichtiges Lernprojekt, das auch ohne Förderung erfolgreich läuft“, so Erich Pick, der das Thema bei der Energiegenossenschaft betreut und beim Stuttgarter Treffen über die Finanzierung und Organisation von Mieterstromprojekten referierte.  „Eine nicht zu unterschätzende Motivation für die Mieter und Vermieter ist der ideelle Mehrwert, als Gemeinschaft nachhaltig Strom selbst zu erzeugen“, so Pick.

Rund 80 Besucher, vornehmlich aus Energie- und Wohnungswirtschaft kamen zum ersten Mieterstromtag nach Stuttgart.

„Der Gebäudebereich ist entscheidend für die Einhaltung der Klimaziele – beim Thema Wärme, aber auch beim Strom“, sagte Volker Kienzlien von der Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg. Fast 90 Prozent der möglichen Solardachflächen in Deutschland seien noch ungenutzt, so Kienzlien. Er plädierte dafür, in einer bereits geplanten Überarbeitung des Mieterstromgesetzes auch eine Ausweitung der Förderung auf größer angelegte Versorgungsmodelle – so genannten Quartiersstrom.

Fazit des Tages: Trotz „Reparaturbedarf“ am Gesetz und aller noch vorhandenen Hürden überwog auf dem Mieterstromtag am Ende dennoch eine optimistische Haltung: Die Bereitschaft zu Mieterstrommodellen in der Bevölkerung sei hoch, hieß es – und in den nächsten Jahren bestünden gute Chancen, bundesweit zehntausende von Wohnungen an diese dezentrale und ökologische Art der Stromerzeugung anzuschließen.

Info Mehr Hintergründe zum Thema Mieterstrom und für konkrete Anfragen unter www.greenpeace-energy.de/mieterstrom