Für den Klimaschutz ist es der richtige Trend: Erdöl, Erdgas und Kohle sind 2018 deutlich teurer geworden. Das steigert den Anreiz für VerbraucherInnen wie für Unternehmen, sparsamer mit diesen klimaschädlichen fossilen Energieträgern zu sein. Parallel dazu ist der Preis für CO2-Zertifikate massiv gestiegen – also für das „Recht“, das Treibhausgas in die Atmosphäre zu emittieren. In der Summe stiegen zudem die Strompreise an der Börse in Leipzig. Davon ist auch Greenpeace Energy betroffen. Warum, erklären wir hier.

1. FOSSILER STROM WIRD TEURER
Es ist wenig überraschend, dass fossiler Strom teurer wird: Die Kohle- und Gaspreise sind in diesem Jahr ebenso gestiegen wie die Kosten für Emissionsrechte, also für den klimaschädlichen CO2-Ausstoß der Kraftwerke.

Warum steigt der Kohlepreis?
Ein Blick nach Ostasien kann hier viel erklären. China verfeuert jede zweite Tonne Kohle auf diesem Planeten. Umweltverschmutzung und vor allem der städtische Smog haben dadurch ein solches Ausmaß erreicht, dass Peking das Ruder herumreißt und Tausende  Kohleminen schließt. Dadurch entstehen jedoch regionale Versorgungsengpässe, die durch höhere Einfuhren ausgeglichen werden. Chinesische Importeure kaufen deshalb den Weltmarkt leer, was die Preise nach oben treibt. Das spüren auch die Stromkonzerne in Europa. Die Kohlepreise liegen in diesem Jahr auf dem höchsten Stand seit 2011. Daran wird sich auch in Zukunft nicht viel ändern, denn es wird weltweit immer weniger in neue Kohleminen investiert. Alle wissen, dass die Zeit der Kohle abgelaufen ist.

Warum steigen die Gaspreise?
Der Kurswechsel bei der Kohle hat auch Folgen für die internationalen Erdgaspreise. China und andere Länder bauen immer mehr Gaskraftwerke oder installieren Gasheizungen, um von der Kohle loszukommen. Die Nachfrage steigt also und damit der Preis. Hinzu kommen eigene Probleme in Europa: Die britischen Gasvorkommen in der Nordsee sind allmählich erschöpft. Und in den Niederlanden führt die Ausbeutung des riesigen Groningen-Gasfeldes zu solch schweren Erdbeben, dass die Förderung dauerhaft gedrosselt werden musste. Das Ergebnis: Die höchsten Gaspreise seit vier Jahren.

Warum werden CO2-Emissionsrechte teurer?
Der dritte Kostentreiber für fossilen Strom sind die drastisch gestiegenen CO2-Preise in Europa. Sie haben sich im letzten Jahr vervierfacht, nachdem es in Brüssel (endlich!) gelungen war, den europäischen Emissionsmarkt (ETS) zu reformieren. Statt 5 Euro müssen Kohle- und Gaskraftwerke im Moment knapp 20 Euro dafür bezahlen, eine Tonne Treibhausgas in die Atmosphäre zu blasen.

Die Folge: Auch die Börsenstrompreise steigen
In der Summe führen diese Trends dazu, dass Strom und Gas auch in Deutschland deutlich teurer werden. Das zeigt sich bei den Börsenstrompreisen. Die Terminpreise für das Jahr 2019 kletterten seit Jahresbeginn von 35 auf über 50 Euro für eine Megawattstunde, also um etwa 50 Prozent. Diese höheren Kosten werden an private Haushalte weitergereicht.

 


2. AUCH ÖKOENERGIEANBIETER SIND BETROFFEN

Ökostrom:
Aber warum sind auch wir als reiner Ökostromanbieter von den Trends in der fossilen Energiewelt betroffen? Schließlich verfeuern wir keine Kohle und kaufen auch keinen Börsenstrom ein. Wir beziehen unseren Strom direkt bei den Windparks und Laufwasserkraftwerken.

Das liegt daran, dass auch die Betreiber von erneuerbaren Kraftwerken ihre Angebote am aktuellen Preisniveau orientieren. Da die Preise an der Strombörse in Leipzig angezogen haben, müssen wir unseren Lieferanten nun mehr bezahlen, um genug Grünstrom für unsere Kundinnen und Kunden einkaufen zu können. Unsere Beschaffungskosten steigen dadurch.

Ein zweiter Kostentreiber sind die Stromnetze. Die Netzbetreiber verlangen ab 2019 höhere Gebühren für den Transport unseres Stroms. Der Aufschlag fällt von Region zu Region unterschiedlich hoch aus. Ab Januar 2019 wird außerdem zum ersten Mal die sogenannte Offshore-Netzumlage in Rechnung gestellt.

Es gibt allerdings auch positive Trends: Die EEG-Umlage wird billiger, ebenso wie einige kleinere Umlagen und Abgaben. Unter dem Strich steigen diese festen Kostenblöcke jedoch. Und obendrauf kommt noch die Umsatzsteuer.

An der Qualität unserer Produkte rütteln wir natürlich nicht: Nach wie vor liefern wir reinen Ökostrom. Der Anteil des Windstroms erreicht 2018 erstmals 50 Prozent – ein einmalig hoher Wert.


Windgas:
Ähnliche Trends verteuern unser Gasprodukt proWindgas. Es setzt sich aus Erdgas und erneuerbarem Wasserstoff zusammen. Die Kosten für den Wasserstoff bleiben stabil, aber Erdgas ist aus den bereits erwähnten Gründen teurer geworden. Außerdem steigen auch hier die Netzentgelte leicht an.

Wir wollen den Anteil von erneuerbarem Wasserstoff Jahr für Jahr erhöhen, können das aber nur schrittweise tun. Wasserstoff ist noch immer teuer und steht in windarmen Monaten nur in begrenzten Mengen zur Verfügung. Die Zahl unserer Lieferanten wird jedoch wachsen. Zudem bereiten wir den Bau unseres zweiten eigenen Windgas-Elektrolyseurs vor und arbeiten in Berlin und Brüssel hart daran, ebenso sinnlose wie teure Hürden für Windgas abzuräumen. Es geht also voran. Vorerst aber bleiben wir auf fossiles Erdgas angewiesen – und müssen auch dessen Preissteigerungen mittragen. Umgekehrt hatten wir unseren Gaspreis in den letzten sechs Jahren stabil halten oder sogar senken können, wenn sich der Einkauf vergünstigte.

 

3. FAZIT
Greenpeace Energy muss seine Preise für Ökostrom und proWindgas im kommenden Jahr erhöhen, auch wenn die Gründe dafür letztlich bei Deutschlands fataler Abhängigkeit von Kohle und Erdgas zu suchen sind.

Wir bleiben dabei sauber und transparent: Die einzelnen Preisbestandteile werden im Schreiben an all unsere 140.000 Kundinnen und Kunden sowie auf unserer Internetseite aufgeführt.

Die aktuellen Entwicklungen sind ein Grund mehr, auf 100 Prozent Erneuerbare umzusteigen. Das schont nicht nur Klima und Umwelt, sondern entschärft auch die Preisrisiken der bisherigen fossilen Energieversorgung!