Der Wind, der Wind – er steckt nicht nur in zahllosen Metaphern der deutschen Sprache, sondern prägt jeden Tag unseres Lebens: Bei unseren Alltagswegen an der frischen – manchmal allzu frischen – Luft. Oder dann, wenn wir die Kräfte des Windes nutzen – beim Segeln, beim Fliegen und natürlich bei der Energiegewinnung, etwa in Windrädern. Der ARD-Meteorologe Sven Plöger und der Wissenschaftsjournalist Rolf Schlenker haben dem „Wettermacher“ Wind jetzt ein anschauliches und kompaktes Erklärbuch gewidmet, das wir an dieser Stelle verlosen.

Tornados in Schleswig-Holstein 2016. Foto: Belser; Foto oben: SWR

Wussten Sie, dass in Deutschland pro Jahr bis zu 50 Tornados auftreten können? Dass ein Liter Luft rund 1,3 Gramm wiegt? Oder dass man die Aufwinde an Hochhäusern den „Monroe-Effekt“ nennt – benannt nach der berühmten Filmszene mit der gleichnamigen Schauspielerin. Das Buch „Wie Wind unser Wetter bestimmt“ wartet mit Unmengen an interessantem und manchmal auch skurrilem Detailwissen auf. Die Autoren nehmen den Leser darin auch mit auf zahlreiche Exkursionen zu den Ursprungsorten jener Großwetterlagen, die uns hierzulande bestimmen. ARD-Wettermann Plöger und SWR-Journalist Schlenker reisten –  damals begleitet von einem Kamerateam für eine TV-Doku, auf der das Buch aufbaut –  quasi den Winden entgegen.

Zum Beispiel nach Lappland, wo der Klimawandel bereits heute zu deutlich weniger Schnee und höheren Temperaturen führt: Die kältesten Tage sind dort schon um zehn Grad wärmer als noch vor einigen Jahrzehnten. Oder nach Marokko, das sich ebenfalls stark durch den Klimawandel verändert hat: Wo Flüsse ausgetrocknet sind oder die Oasenbauern aufgeben müssen, weil sie sich die immer tieferen Brunnenbohrungen nicht mehr leisten können. Diese lokalen Bestandsaufnahmen des Phänomens Klimawandel – und seine Auswirkungen auf das Wetter weltweit – ziehen sich als roter Faden durch das Buch.

Wir haben drei Exemplare von „Wie Wind unser Wetter bestimmt – auf Wettertour mit Sven Plöger“ unter unseren Leserinnen und Lesern verlost. Gewonnen haben:
Nina Brunke aus Hamburg, Torsten Hartmann aus Gladenbach und Kathleen Zisick aus Oranienburg.
Wir gratulieren und wünschen eine interessante Lektüre!

Im flotten Gleitflug (um im Bild zu bleiben) segeln die Autoren durch bekannte und unbekanntere Windphänomene: Was unterscheidet den Westwind, der sich über dem Atlantik mit Wasser vollsaugt vom Ostwind, der über die unendlichen Weiten Russlands streicht, bevor er bei uns ankommt? Was hat es mit dem als „Hexenwind“ verschrienen Föhn auf sich, der Kopfschmerzen und Depressionen auslösen soll; mit dem Südwind, der Millionen Tonnen rötlichen Saharastaub mit sich bringt; oder mit dem „Mistral“, der sich – eingeengt durch Berge in Frankreich – extrem beschleunigt und so auch bei strahlendem  Sonnenschein Orkanstärke erreichen kann und schon Schiffskatastrophen verursacht hat?

Die Autoren bei ihren Recherchen an der irischen Küste. Foto: SWR

Überhaupt: Unglücke und Extremsituationen sind ein weiteres Leitmotiv im Buch – kein Wunder, liefern sie doch für den vorausgegangenen Film spektakuläre Bilder: Wie etwa im Winter 1978/79, als sich bei so genannter „Nordostlage“ Kälte aus Skandinavien und Sibirien mit der Feuchtigkeit der Ostsee mischt: Ganz Norddeutschland liegt damals unter einer dicken Schneedecke – und Bundeswehrpanzer müssen die Fahrspuren auf der Autobahn freischieben. Oder 1986, das Jahr der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl: Ausgerechnet an diesem Tag herrscht Ostwind  – und hochgradig verseuchte Luft zieht mit der radioaktiven Wolke nach Deutschland. Oder – dem widmen die Autoren sogar ein ganzes Kapitel – wie bei der legendären Hamburger Sturmflut 1962, bei der der Wind das ablaufende Wasser nicht aus der Elbe herauslässt und die nächste Flutwelle die Deiche brechen lässt. „Heute sind die Verantwortlichen demütiger gegenüber den Naturgewalten“, kommentieren Schlenker/Plöger – zumal angesichts eines Meeresspiegels, der nach neuesten Berechnungen zum Ende des Jahrhunderts sogar um 1,70 Meter steigen könnte.

Nach Lektüre der leicht verständlichen, spannend zu lesenden und reich bebilderten 144 Seiten wird dem Leser klar, wie sehr der Wind Motor unseres Wetters ist. Am Ende kann man nicht nur die Wetterkarte im Fernsehen besser interpretieren, sondern wird auch sensibilisiert für die grundlegenden Zusammenhänge weltweiter Klima- und Witterungsverhältnisse – und ihre Fragilität angesichts des drohenden Klimawandels.

Rolf Schneider, Sven Plöger: „Wie Wind unser Wetter bestimmt – Auf Wettertour mit Sven Plöger“, 144 Seiten mit 165 Abbildungen.  ISBN: 978-3-7630-2787-3. Preis: € 19,99 

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Christoph Rasch
Arbeitete lange als Journalist und Autor für Tageszeitungen, Magazine und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Seit dem Frühjahr 2014 im Bereich Politik und Kommunikation bei Greenpeace Energy tätig.