Bruder Lukas vom Kloster Nütschau, dem nördlichsten Benediktinerkloster Deutschlands, über die Entscheidung der Benediktiner, zu Ökostrom von Greenpeace Energy zu wechseln.

Frage: Beten und Arbeiten – das verbinden wir mit einem Kloster, aber Ökostrom?

BruderLukas
Bruder Lukas sieht den Wechsel zu Ökostrom im Einklang mit der Aufgabe, die Schöpfung zu bewahren. Foto: Cornelia Steinecke/Greenpeace Energy eG

Bruder Lukas: Sie denken doch nicht etwa, wir hätten graue Mauern und keinen Strom, so wie in Der Name der Rose? Beides ist nicht der Fall. Im Gegenteil. Wir verbrauchen über 230.000 Kilowattstunden jährlich, das meiste in der Großküche und im Kühlhaus, wo die Lebensmittel lagern. Wir haben 30.000 Gäste im Jahr. Zugegebenermaßen sind auch unsere Gebäude, die in den 1970er-Jahren gebaut wurden, nicht gut gedämmt. Der Wechsel zu Ökostrom erklärt sich mit unseren Werten: Die Schöpfung zu bewahren, das ist für uns von zentraler Bedeutung. Da lag es nahe, auf erneuerbare Energien umzusteigen und ein deutliches Zeichen für den Klimaschutz zu setzen. Ora et labora, das stimmt allerdings. Morgens beten, nachmittags bei der Apfelernte helfen – das bieten wir an.

Frage: Jetzt kommen wir dann noch mit dem zweiten Klischee. Brauen Sie kein Bier oder brennen Schnaps?

Bruder Lukas: Tatsächlich würde ich gerne Bier brauen, aber momentan bleibt es bei 10.000 Litern Apfelsaft im Jahr. Wir haben aber eine Mosterei im Nachbardorf, die im Herbst das Obst der 40 Apfelbäume annimmt und daraus Saft herstellt. Und es gibt auch Apfelwein.

Frage: Gab es Hürden beim Wechsel zu Greenpeace Energy?

Bruder Lukas: Kurz haben wir überlegt, ob Greenpeace mit seinen Schlauchboot-Aktionen nicht zu radikal ist. Aber unser Prior hat zugestimmt. Es muss nicht immer ein Kreuz im Logo sein, es geht um gemeinsame Werte. Mit einer Genossenschaft wie bei Greenpeace Energy schafft man etwas in der Gemeinschaft, das ist urchristlich. Außerdem kannte ich Greenpeace Energy aus meiner früheren Zeit als Werber in einer Hamburger Agentur.

Frage: Vom Werber zum Klosterbruder – das war sicher ein radikaler Schnitt.

Bruder Lukas: Nun, Schwarz trage ich immer noch. Sehr befreiend übrigens, sich morgens nicht überlegen zu müssen, was man anzieht. Vor drei Jahren wollte ich raus aus der Glitzerwelt und der Ellenbogen-Gesellschaft. Ich bin katholisch erzogen und begann wieder zu beten. Als ich „Beten lernen“ bei Google eingab, erschien als dritter Treffer die Gebetsschule des Klosters Nütschau in Travenbrück. Nachdem ich im Januar 2010 dort war, ging es schnell. Wohnung aufgelöst, Sachen verkauft, Mutter enttäuscht. Mit 36 Jahren bin ich jetzt der jüngste von 17 Brüdern, die alle wie ich „stabilitas loci“ gelobt und sich fest an Nütschau gebunden haben. Dennoch sehen wir uns nicht als Wohn-, sondern als Weggemeinschaft. Ich habe es übrigens nie bereut und bevor Sie fragen: Urlaub ist schon möglich, allerdings verbringen wir den in anderen Klöstern. Geld besitzen wir nicht, aber wenn ich etwas brauche, bekomme ich das.

Frage: Was ist der nächste Schritt des Klosters in Richtung mehr Umweltschutz?

Bruder Lukas: Wir haben 80 Hektar Land und wir beheizen das Herrenhaus mit Holz aus dem eigenen Wald. Außerdem haben wir eine Solarthermie-Anlage auf dem Dach des Hauses, in dem wir Mönche wohnen. Aber auch ein Blockheizkraftwerk, das gleichzeitig Strom und Wärme erzeugt, kann ich mir für das Kloster gut vorstellen.

[infobox]

Kloster Nütschau in Travenbrück, nahe Lübeck, lebt von Gästen wie Pfarrgemeinden oder Firmlingen. Katholisch zu sein ist aber keine Bedingung. Gern gesehen sind Besucher aller Glaubensrichtungen, die einmal klösterliches Flair spüren wollen. Das Seminarprogramm findet sich unter www.kloster-nuetschau.de.

[/infobox]