Der Bücherpiraten e.V. setzt sich in Lübeck seit fast 15 Jahren für die literarische Bildung von Kindern und Jugendlichen ein. Obwohl der Greenpeace Energy-Kunde in dieser Funktion in Deutschland und international viel erreicht hat, muss er jetzt um sein Überleben kämpfen. Die Gründer des Vereins Lenara Sanders und Martin Gries erklärten uns in einem Interview, warum sie jeden gespendeten Euro brauchen können.

Lenara Sanders und Martin Gries von den Bücherpiraten aus Lübeck.
Lenara Sanders und Martin Gries von den Bücherpiraten aus Lübeck. Bild: Michelle König / Greenpeace Energy.

Greenpeace Energy: Die Bücherpiraten sind ein Verein, dessen Ziel es ist, Kinder und Jugendliche für Literatur zu begeistern. Wie genau ist diese Idee zu Stande gekommen?

Lenara Sanders: Rückblickend war die Gründung der Bücherpiraten ein kontinuierlicher Prozess, der über mehrere Jahre stattgefunden hat. Zunächst organisierten Martin Gries und ich 2002 in Lübeck ein Kinderliteratur-Festival, das so gut ankam, dass wir es im Folgejahr wiederholten. Danach kamen die ersten Jugendlichen mit dem Wunsch nach kontinuierlichen Autorengruppen zu uns, den wir ihnen gerne erfüllten. Im nächsten Jahr wollten sie dann ein Event speziell für Jugendbücher organisieren und selbst Buchrezensionen schreiben. Unser Angebot hat sich also wie von selbst immer weiter entwickelt und schon bald hatten  wir mehrere improvisierte Büros in den Wohnzimmern vieler Ehrenamtlicher.

Martin Gries: Vor rund fünf Jahren entschied sich dann eine Mäzenin dazu, ein Gebäude für uns nach allen Regeln des Denkmalschutzes in ein Kinderliteraturhaus umzubauen. Bis heute vermietet sie es uns für einen symbolischen Euro im Monat. Dafür sind wir wahnsinnig dankbar, einfach weil es unsere Arbeit ungemein erleichtert. Außerdem schätzen auch die Jugendlichen dieses Haus sehr und betrachten es als ihr Eigen.

Auf welchen Wegen können Kinder und Jugendliche als Bücherpiraten mit Literatur in Kontakt kommen?

Sanders: Wir bieten ein wöchentliches Programm für alle von 8 bis 18 Jahren an. Dort können Kinder und Jugendliche selber an verschiedenen Darstellungsformen von Romanen bis hin zu redaktionellen Beiträgen für unser Online-Magazin schreiben. Daneben gibt es Vorlese- und Slam-Gruppen und auch bei der Organisation von literarischen Veranstaltungen wie den Jugendbuchtagen können Interessierte aktiv werden. Außerdem sind Anregungen zu neuen Angeboten immer erwünscht.

Gries: Im unteren Stockwerk unseres Hauses betreiben wir zudem einen Benefiz-Bücherladen. Hier verkaufen ehrenamtliche Helfer Bücher in neuwertigem Zustand, die uns gespendet wurden, für die Hälfte ihres Ladenpreises. Aus den Gewinnen finanziert sich einerseits ein Teil unserer Programme. Andererseits können wir so Kinder, die in Lübeck auf Sozialgeld angewiesen sind, mit Gratis-Büchern versorgen.

Die Lübecker Jugendbuchtage, die Ihre Gruppe jedes Jahr organisiert, wurden erst 2015 mit dem Deutschen Bürgerpreis ausgezeichnet. Für die Kinder und Jugendlichen war das sicher eine sehr schöne Anerkennung.

Sanders: Diese Anerkennung haben sie sich auch redlich verdient. Schließlich investiert die Jugendbuch-Crew – deren Mitglieder zwischen 13 und 18 Jahre alt sind – während des ganzen Jahres einen Großteil ihrer Freizeit in die Planung. So kümmern sie sich mit unserer Unterstützung selbst um Förderanträge, Pressemitteilungen und ein passendes Thema für die Veranstaltung. Letztes Jahr war das zum Beispiel „Was aus uns geworden ist“, wobei es um Entwicklungswege von Menschen ging.

Gries: Mit diesem Motto hat sich unsere Gruppe dann erfolgreich für den Deutschen Bürgerpreis beworben. Besonders die Preisverleihung im Hauptstadtstudio des ZDFs war dabei natürlich eine sehr aufregende Erfahrung für alle.

Lesende Kinder bei den Bücherpiraten.
Lesende Kinder bei den Bücherpiraten. Bild: Michelle König / Greenpeace Energy.

Auch im internationalen Bereich sind Sie mit Ihren Kinder – und Jugendgruppen sehr engagiert.

Gries: Wir suchen immer nach Möglichkeiten, noch mehr Kinder zu erreichen. Dafür stehen wir mit der internationalen Leseförderung aus 68 Nationen, dem International Board On Books For Young People (IBBY) im Austausch. Bei einem Kongress dieses Zusammenschlusses erläuterte eine Kollegin aus Ghana, dass ihre Kinder-Gruppen so unterschiedliche sprachliche Hintergründe haben, dass sie dringend mehrsprachige Bücher braucht. Nachdem uns dieses Problem bewusst wurde, haben wir angefangen mit unseren Kindern Geschichten zu schreiben und zu illustrieren. Anschließend werden diese Bilderbücher von Ehrenamtlichen in möglichst viele Sprachen übersetzt und auf der Internet-Plattform bilingual-picturebooks.org gegen eine freiwillige Spende bereitgestellt.

Sanders: In der nächsten Woche wird nun unser drittes Buch fertig, das wir hier zunächst auf Deutsch, Arabisch, Chinesisch, Russisch, Englisch, Französisch und Spanisch zur Verfügung stellen. Weil sich das Netz an Übersetzern inzwischen aber deutlich ausgebaut hat, werden wir künftig sogar über 38 Sprachen anbieten können. Wie nützlich diese Seite ist, konnten wir in einer aktuellen Umfrage unter den Nutzern feststellen. Besonders bei Geflüchteten sowie Flüchtlingshelfern herrschte demnach große Begeisterung darüber, dass Kinderbücher plötzlich in einer Sprache verfügbar sind, die sich sonst im Buchhandel nicht findet.

Trotz der großartigen Resonanzen, die Sie von Kindern und Jugendlichen erhalten, sehen Sie die Existenz Ihres Vereins bedroht. Warum?

Sanders: Die Stadt Lübeck ist sehr hoch verschuldet und kann uns deshalb nicht fördern, was bislang nur dank der Unterstützung vieler Stiftungen kein Problem war. Aber auch bei diesen Institutionen werden die finanziellen Mittel knapper. Das macht es für uns immer schwieriger, Förderungen zu erhalten. Deshalb müssen wir im Jahr 2016 100 feste Spender gewinnen, von denen wir bisher leider erst 50 haben. Nur wenn wir in den nächsten Monaten die Differenz zusammenbekommen, können wir unser pädagogisches Angebot in seiner aktuellen Form am Leben erhalten.

Wofür sollen diese Spenden genau eingesetzt werden?

Sanders: Veranstaltungen wie die Jugendbuchtage aber auch die Herstellung unserer mehrsprachigen Bilderbücher brauchen eine kontinuierliche ganzjährige Betreuung. Dementsprechend ist hier eine gewisse finanzielle Sicherheit nötig, die nur über Langzeitspender möglich ist. Außerdem wird der Bedarf an Büchern auf Arabisch und Dari zukünftig durch geflüchtete Familien noch weiter zunehmen und wir möchten dem gerne gerecht werden.

Gries: Kinder und Jugendliche jeder Nationalität brauchen schließlich Raum, um ihre eigenen Geschichten zu erzählen – und dafür benötigt man Orte wie das Literaturhaus der Bücherpiraten. Bei einer sicheren Finanzierung unserer Projekte können übrigens sogar 5 Euro schon sehr helfen.

Warum halten Sie trotz Ihrer schwierigen finanziellen Situation den Bezug von Greenpeace Energy Ökostrom für so wichtig?

Sanders: Wir können nur dann ein authentisches Förderprojekt für Jugendliche bieten, wenn wir auch mit der Erde als Ressource für kommende Generationen vernünftig umgehen. Deshalb kaufen wir nachhaltige und fair gehandelte Produkte und beziehen konsequenterweise auch unseren Strom vom ökologischsten Anbieter.

Möchten Sie aktiv werden und helfen?

Bitte überweisen Sie Ihre Spende an die folgende Bankverbindung:

Spendenkonto:
Bücherpiraten e.V.
IBAN: DE20 2309 0142 0005 1685 11
BIC:  GENODEF1HLU
Bank: Volksbank Lübeck

oder über ein Direktformular.

Weitere Informationen zu den Aktionen der Bücherpiraten gibt es hier.