Mobilfunk geht auch nachhaltig – so lautet das Versprechen des Freiburger Startups WEtell. Klimapositiv soll er sein, der erste grüne Mobilfunktarif. Außerdem Datensparsam, fair und transparent. Was auf den ersten Blick eher nach „wünsch Dir was“ klingt, setzt tatsächlich neue Maßstäbe im Mobilfunk. Wie und ab wann wir nur noch grün telefonieren, erklärt uns Mit-Gründer Dr. Nico Tucher.

Der Schwarzwald hat deutlich mehr zu bieten, als Kuckucksuhren, Kirschtorten und unberührte Wälder. Entgegen des gängigen Klischees hat sich der Süden unserer Republik in den vergangenen Jahren zu einer echten Hochburg für technologische Innovationen in Medizin, Informatik und Ingenieurswesen entwickelt. Und als nicht mehr ganz so heimliche Hauptstadt des „Silicon Schwarzwald“ mittendrin: Freiburg.

Zwar entstehen in den Großstädten Hamburg oder Berlin zahlenmäßig noch immer die meisten Startups, Freiburg aber bietet mit seiner Universität, der technischen Fakultät und dem Institut für Mikrosystemtechnik (IMTEK) sowie deren engen Verbindungen zum Max-Planck-Institut und der Fraunhofer Gesellschaft hervorragende Rahmenbedingungen für Innovationen. Außerdem hat Freiburg mit der Lokhalle ein echtes Kreativzentrum für junge Gründerinnen und Gründer geschaffen.

Machen Mobilfunk grün. Andreas Schmucker, Nico Tucher und Alma Spribille von WEtell. (Foto: WEtell)

Unter ihnen: Andreas Schmucker, Alma Spribille und Nico Tucher. Alle drei leben und arbeiten in Freiburg und haben nach eigener Aussage Klimaschäden, Datenmissbrauch und Intransparenz satt. Dass es im Mobilfunkgeschäft – anders als im Banking- oder Energiesektor – noch keine grüne Alternative gibt, wollen sie nun ändern.

Greenpeace Energy: Lieber Nico, mit WEtell habt Ihr Euch das ehrgeizige Ziel gesetzt, den ersten konsequent nachhaltigen Mobilfunkanbieter auf den Markt zu bringen. Erkläre uns doch bitte kurz, was wir uns darunter vorstellen dürfen.

Dr. Nico Tucher: Für viele Produkte und Dienstleistungen gibt es ja mittlerweile nachhaltige und faire Alternativen: sei es Mailing, Banking, Energieversorgung oder auch Smartphones. Bei Mobilfunk sieht es da noch anders aus. Die Themen Klimaschutz, Datenschutz, Fairness und Transparenz spielen eine viel zu geringe Rolle. WEtell etabliert in dieser Branche neue Standards. Wir machen Mobilfunk in bester Qualität und setzen zusätzlich die genannten Themen konsequent um.

GPE: Was unterscheidet Euch dabei von herkömmlichen Mobilfunkanbietern?

Nico: Nehmen wir mal das Beispiel Klimaschutz und schauen uns den Energieverbrauch der Handynutzung an. Nur 40% der Energie wird für die Herstellung des Geräts und das tägliche Laden benötigt. Mindestens 60% entfallen auf den Netzbetrieb. Da wird bisher nur zu einem geringen Teil Ökostrom verwendet. Deswegen sorgen wir mit dem Bau neuer Solaranlagen in Deutschland dafür, dass mehr Ökostrom produziert wird als der komplette Netzbetrieb für alle unsere Kunden braucht.

GPE: Dass Ihr komplett neu am Markt seid, bedeutet aber nicht zwangsweise, dass man bei einem Wechsel zu WEtell eine schlechtere Netzqualität oder eine langsamere Datenübertragung befürchten muss?

Nico: Nein, auf keinen Fall. Wir bieten Mobilfunk in bester Qualität. Dazu gehört D1-Netzabdeckung, mobiles Internet mit LTE-Geschwindigkeit, kostenlose Rufnummernmitnahme, EU-Roaming und monatlich kündbare Verträge. Damit steht WEtell am Markt ziemlich gut da.

GPE: Wie wird Euer Angebot ganz konkret aussehen? Welche Tarife werdet Ihr anbieten?

Graphik: WEtell

Nico: In der Crowdfunding Kampagne ab dem 15. Februar auf Startnext bieten wir drei Tarife zur Auswahl: Für Menschen, die ihr Handy nicht dauernd brauchen gibt es den Tarif „Ultrakurz“ mit 300 Minuten, 100 SMS und 1GB Internet im 3G Netz für 15 Euro im Monat. Allnet Flat für Telefonie und SMS gibt es im Tarif „Mittelwelle“ mit 3GB Daten in LTE Geschwindigkeit für 30€. Und falls keine Wünsche offenbleiben sollen, gibt es den Superfunk mit 8GB Daten für 40 Euro. Wie gesagt, alles mit bester Netzabdeckung.

GPE: Laut Statistikdatenbank statista gab es im dritten Quartal 2018 alleine in Deutschland rund 135 Millionen Mobilfunkanschlüsse. Sprich, es gibt hierzulande mehr Handys als Menschen. Das klingt nach einer Menge Arbeit für Euch…

Nico: Neben WEtell gibt es natürlich auch andere Anbieter. Aber die Themen Klimaschutz und Datenschutz werden in der Öffentlichkeit immer präsenter, weil deren Bedeutung immer mehr Menschen bewusst wird. Für all diese Menschen gibt es unserer Meinung nach kein zufriedenstellendes Angebot im Bereich Mobilfunk. Daher glauben wir fest an großes Interesse an WEtell.

GPE: Ihr habt Euch auch das Thema Datenschutz groß auf die Fahne geschrieben. Was macht Ihr anders als der Wettbewerb?

Nico: Erstmal muss man wissen, dass ein Mobilfunkanbieter ganz schön viele Daten hat. Wo du mit wem wie lange telefonierst, all das wird gespeichert. In den AGBs steht dann irgendwo, was dein Anbieter mit diesen Daten macht, aber niemand redet offen darüber. Bei WEtell sind wir da klar: wir sammeln nur zwingend notwendige Daten, wir verkaufen die Daten nicht, wir versuchen sie sogar so früh wie möglich zu löschen.

GPE: Was genau bezweckt Ihr mit Eurem Crowdfunding, bzw. was ist das konkrete Ziel? Und warum ausgerechnet 1.000 Kundinnen und Kunden?

Nico: Mobilfunkanbieter wird man nicht alleine. Dafür gibt es hohe Hürden. Wir können unsere Vision eines nachhaltigen Mobilfunkanbieters also nur umsetzten, wenn wir sicher sein können, dass ausreichend Menschen Interesse daran haben. Daher bieten wir unsere Verträge Startnext.de als Gutscheine an. Wenn innerhalb der Kampagne 1000 Leute Gutscheine kaufen, dann können wir starten und WEtell im Herbst 2019 an den Markt bringen.

GPE: Angenommen, ich finde WEtell gut und möchte mich am Crowdfunding beteiligen, mein derzeitiger Vertrag läuft aber noch mindestens ein Jahr. Wie kann ich mich dann beteiligen?

Graphik: WEtell

Nico: Du kannst trotzdem jetzt schon mitmachen! Der Mobilfunkgutschein ist 24 Monate lang gültig und du kannst ihn einlösen, wenn dein aktueller Vertrag endet. So stellen wir sicher, dass du nicht doppelt bezahlen musst. Falls dein Vertrag endet, bevor WEtell am Markt ist, haben wir eine einfache Übergangslösung. Du kannst jetzt schon zu unserem Mobilfunkpartner wechseln und wirst automatisch WEtell Kunde, sobald wir am Markt sind.

GPE: Und gibt es ein Risiko für mich bei eurer Crowdfunding Kampagne mitzumachen? Ist mein Geld weg, wenn ihr es nicht schafft?

Nico: Nein, sowas würden wir nicht machen. Mitmachen ist für dich 100% risikofrei. Wenn wir die 1000 Leute nicht erreichen, bekommst du dein Geld zurück. Auch bei erfolgreicher Kampagne liegt das Geld auf einem Treuhandkonto bis wir wirklich an den Markt gehen. Erst, wenn die ersten SIM-Karten verschickt werden, löst du deinen Gutschein ein und wir nutzen dein Geld für deinen Mobilfunk. Wichtig ist: nur mit mindestens 1000 Unterstützer*innen können wir weitermachen und Nachhaltigkeit, Datenschutz, Fairness und Transparenz in die Mobilfunkwelt bringen.

INFO: Alle Informationen zum Angebot finden Sie auf der Webseite von WEtell. Wenn Sie sich für nachhaltigen Mobilfunk interessieren und das Crowdfunding unterstützen möchten, dann besuchen Sie die Crowdfunding Kampagne auf startnext.de