„Einen besseren Sommer hätte ich kaum erwischen können, um unsere Solaranlage in Betrieb zu nehmen“, freut sich Hilde Zettl. „So viel Sonne, das übertrifft meine Erwartungen.“ Auf den Dachflächen ihres erst vor wenigen Monaten bezogenen Hauses glänzen diskret tiefschwarze Solarmodule, die sich kaum von den dunklen Dachziegeln und schwarzen Schieferflächen abheben. Und sie erzeugen viel saubere Energie. „Die sieht man kaum, das finde ich wichtig, auch um keinen Stress mit den Nachbarn zu haben.“ Schließlich liegt ihr Dorf mitten im Rheinischen Braunkohlerevier. Der Tagebau Garzweiler II ist nur vier Kilometer entfernt.

Hilde Zettl steht so ruhig in ihrem Garten, in dem es blüht und zwitschert, als wollte sie demonstrieren, wie fest verwurzelt sie mit ihrem Land ist. „Für mich hat Heimat eine ganz besondere Bedeutung“, sagt die energische Frau, „auch weil ich weiß, wie es ist, die Heimat zu verlieren. Meine Eltern mussten ihr Haus verlassen. Das Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, wurde wegen der Braunkohle geräumt.“ Da passt es, dass sich Hilde Zettl in einem Verein für Heimat- und Denkmalpflege engagiert.

Mit ihrem Haus wollten sie und ihre Familie ein Zeichen für die Zukunft setzen: „Für uns war von Anfang an klar, dass wir in unserem neuen Zuhause möglichst stark auf erneuerbare Energien setzen.“ Und das haben sie auch konsequent getan: Auf dem Dach prangt eine Solaranlage des neuesten Typs – mit der für eine private Aufdachanlage beachtlichen Spitzenleistung von 42 Kilowatt. Damit ernten die Zettls nicht nur Sonnenstrom für ihre Elektrogeräte, sondern auch für eine Wärmepumpe, mit der sie ihre Heizung betreiben. Wenn die Sonne nicht scheint, leeren sie die Batterie auf dem Dachboden, die sie in sonnigen Stunden füllen. „Unser Familienmotto lautet schließlich: Immer nachhaltig und umweltfreundlich.“

Und deshalb beliefern die Zettls mit ihrem überschüssigen Sonnenstrom nun Solarstrom plus-Kunden von Greenpeace Energy. Hilde Zettl gefällt es, dass ihr Strom über diesen Tarif an Menschen in ganz Deutschland geliefert wird, die im Gegenzug über einen Fördercent pro Kilowattstunde das Rheinische Revier beim sozialverträglichen Ausstieg aus der Braunkohle und beim Ausbau der Solarenergie unterstützen können. „Die Braunkohle soll in der Erde bleiben, die hat keine Zukunft“, sagt sie. „Wir müssen unsere Ressourcen schließlich nutzen, ohne die Umwelt zu zerstören.“ Und deshalb müssen die Klimaschäden durch die Braunkohleverstromung, bei der die höchsten CO2-Emissionen pro Kilowattstunde in die Atmosphäre gejagt werden, möglichst konsequent begrenzt werden – auch durch den Ausbau der Erneuerbaren, für die Hilde Zettl auf ihrem Dach ein eigenes Zeichen gesetzt hat.

Sogar von ihren Nachbarn erhalten die Zettls Lob, weil ihre neue PV-Anlage das Ortsbild des Dorfs Wickrath nicht stört. Und solch ein Lob, so viel steht fest, ist mitten in einer Tagebauregion alles andere selbstverständlich.