40 Energiegenossenschaften und Genossenschaftsverbände aus einem runden Dutzend EU-Staaten – das ist REScoop, die europäische Stimme für „Energiewende von unten“ und Bürgerenergie. Bei der Jahrestagung voriges Wochenende in Mailand haben REScoop und Greenpeace Energy eine noch engere Zusammenarbeit besprochen.

Marcel Keiffenheim vertrat Greenpeace Energy bei der europäischen Zusammenkunft der Energiegenossenschaften.

In Deutschland sehen ja viele das eigene Land als Mittelpunkt und Motor der europäischen Energiewende. Und in der Tat würde auch bei REScoop niemand leugnen, dass für den Aufbau einer sauberen, bürgernahen Energieversorgung auf diesem Kontinent besonders wichtig ist, was in Deutschland passiert – oder auch nicht passiert. Dennoch wäre es grundfalsch, den Blick nur nach innen zu richten, wenn man sehen möchte, wohin es mit der Energiewende läuft. Und zwar aus drei Gründen: Die wichtigsten Regeln für die Energiewirtschaft – vom Großkonzern bis zum kleinstem Ökostrom-Nachbarschaftsprojekt – werden längst in Brüssel vorgeschrieben. Zudem gibt es jenseits der eigenen Grenzen viele kluge Lösungen zu bestaunen, die auch in Deutschland helfen könnten, die Energiewende voranzutreiben. Schließlich gilt gerade für Genossenschaften und sonstige „kleine“ Bürgerenergie-Akteure, dass sie gemeinsam mehr erreichen können, als wenn jeder alleine auf sich gestellt ist.

Spannende Fachvorträge prägten das Programm des dreitägigen Treffens in Mailand. Fotos (2): Marcel Keiffenheim / Greenpeace Energy eG

Das umreißt auch schon ganz gut die Themen der Mailänder REScoop-Versammlung vom vorigen Wochenende. Derzeit ist die EU dabei, den auch als „Winterpaket“ bekannten „Clean Energy Act for all Europeans“ zu verabschieden – ein Regelwerk mit mehr als 1.000 Seiten, das die Rahmenbedingungen für die Energiewirtschaft im kommenden Jahrzehnt festlegt. Hier hat sich Greenpeace Energy mit REScoop und Experten weiterer Genossenschaften ausgetauscht, was alles schon geschafft wurde (und wir haben schon Einiges geschafft), was noch ansteht und wie wir gemeinsam das Beste für Bürgerenergie herausholen können. Dann war spannend mitzubekommen, wie Energiegenossenschaften in Portugal oder Dänemark, in Kroatien oder Belgien, in Italien oder Irland ticken. Durch ganz praktischen Austausch über die Beschaffung von Ökostrom, die Finanzierung weiterer Erneuerbarer-Energien-Anlagen oder auch die Kommunikation mit den eigenen Mitgliedern lässt sich viel voneinander lernen. Wenn man darüber hinaus mitbekommt, mit wieviel Enthusiasmus, Engagement und Erfolg heute schon Energiegenossenschaften in ganz Europa tätig sind, dann wirkte Mailand als Mutmacher, dass wir trotz aller Hindernisse das schon hinkriegen werden mit der Bürgerenergiewende.