Greenpeace Energy ist erwachsen geworden. Pünktlich zum 18. Geburtstag geht das Unternehmen den letzten noch verbleibenden Schritt in die Selbständigkeit, indem es auch die gesamte Abrechnung ins eigene Haus übernimmt; eine Kooperation mit den Stadtwerken Schwäbisch Hall, die für die Startphase lebenswichtig war, läuft zum Jahresende aus. Von Gastautor Bernward Janzing.

Cornelia Steinecke

Der Markt war da, die politischen Ideen waren formuliert. „Nur auf die Praxis waren wir noch nicht vorbereitet“, sagt Cornelia Steinecke im Rückblick. Die Hamburgerin arbeitete im Sommer 1998 im Energiebereich von Greenpeace, wo die „Aktion Stromwechsel“ lanciert wurde. Die Organisation fragte ihre Förderer, ob diese gerne Ökostrom eines glaubwürdigen Anbieters beziehen wollten – und hatte damit durchschlagenden Erfolg. Mehr als 60.000 Kunden signalisierten – einstweilen unverbindlich – ihr Interesse. Ursprünglich wollte Greenpeace die Adressen an einen ausgewählten Versorger übergeben, doch nun kam die Idee auf, die Stromversorgung selbst in die Hand zu nehmen. Das Konzept der Genossenschaft Greenpeace Energy war geboren.

Es folgte echte Pionierarbeit. Denn bei Gründung des Unternehmens im Herbst 1999 funktionierte der Strommarkt noch nicht richtig. Formal war er durch die Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes zwar seit April 1998 liberalisiert, doch weil die Politik keine Marktaufsicht installiert hatte, konnten die etablierten Monopolisten den Anbieterwechsel erheblich behindern.

Und das taten sie auch. Die einen verlangten regelwidrig eine Ablösesumme, die anderen rührten sich gar nicht erst oder bestenfalls langsam. „Es herrschten Wild-West-Methoden“ erinnert sich Steinecke. Anfang 2000 kam es dann immerhin zur so genannten Verbändevereinbarung, die erstmals Wechselprozesse definierte. Doch in wirklich geregeltes Fahrwasser kam der Markt erst im Juli 2005, als die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post auch für den Strom zuständig wurde; nun unter dem Namen Bundesnetzagentur.

Wie sehr die Politik den neuen Hamburger Ökoversorger beobachtete, und wie selbst hochrangige Akteure die neue Welt erst begreifen lernen mussten, erlebte Steinecke, als eines Tages der Bundeswirtschaftsminister Werner Müller bei Greenpeace Energy anrief: „Er stellte sich mit Namen vor, erwähnte aber nicht sein Amt; er fragte als Privatmann.“

Neben der dominierenden Frage, wie ein freier Anbieter den Strom durch die bestehenden Netze – ein natürliches Monopol – in die Häuser bekommt, gab es für die neuen Akteure weitere Herausforderungen. Wo sollte zum Beispiel für die Anfangsphase der Strom herkommen, solange man noch keine eigenen Kraftwerke hatte? Wie organisiert man außerdem am effizientesten die Abrechnung? Und das alles vor dem Hintergrund, dass Greenpeace Energy praktisch ohne Kapital startete.

Partner waren also nötig. „Wir haben die Dienstleistung ausgeschrieben, denn wir wussten, dass wir das alleine nicht schaffen“, sagt Steinecke. Einer der Anbieter waren die Stadtwerke Schwäbisch Hall. Sie bekamen am Ende den Zuschlag.

Warum Schwäbisch Hall? Zum einen gab es unter den etablierten Versorgern nicht viele Interessenten, die zu einer solchen Kooperation bereit waren. Zudem war Greenpeace Energy wählerisch, und musste es auch sein: „Nur ein kommunales Unternehmen kam für uns in Frage“, sagt Steinecke. Denn ein Ökostromer kann schwerlich mit einem Unternehmen kooperieren, das Atomkraftwerke betreibt oder einem Atomkonzern gehört. Eine Frage der Glaubwürdigkeit.

Die Stadtwerke Schwäbisch Hall passten gut ins Konzept. Sie waren von jeher komplett kommunal. „Und sie waren schon damals gut mit den Themen Effizienz und Kraft-Wärme-Kopplung vertraut“, sagt Steinecke.

Gründungspresskonferenz 1999

Ohne ihre kommunale Eignerschaft hätten auch die Stadtwerke eine solche Kooperation wohl kaum eingehen können, sagt heute der Haller Geschäftsführer Ronald Pfitzer. Denn hätte man einen großen Konzern als Anteilseigner gehabt, hätte dieser es wohl zu unterbinden versucht, neue Mitbewerber zu stützen. Für das mittelgroße Stadtwerk hingegen zählten eher die Chancen auf neue Geschäftsfelder, die sich aus dem liberalisierten Markt ergaben.

Natürlich hängt eine solche Kooperation auch immer an einzelnen Personen. Auch Stadtwerke-Chef Johannes van Bergen, der schon für die Energiewende eintrat, als der Begriff noch nicht zur Alltagssprache gehörte, spielte eine wichtige Rolle. Und dennoch waren es zwei Welten, die sich trafen. Auf der einen Seite das junge, unbedarfte aber hochmotivierte Umweltunternehmen, auf der anderen Seite ein etablierter Regionalversorger, der aus einer Welt kam, in der man von Markt nichts verstehen musste, weil es Gebietsmonopole gab, definiert durch ein Energierecht von 1935.

Aber die Stadtwerke Schwäbisch Hall waren schneller als andere bereit, sich zu wandeln: „Die haben den neuen Wind wahrgenommen, der nun im Markt herrschte, andere haben ihn verschlafen“, sagt Steinecke.

So wurden die Stadtwerke Schwäbisch Hall zum Dienstleister von Greenpeace Energy. Sie entwickelten eigene Software, weil die am Markt erhältliche noch in der Monopolwelt verhaftet war, und sie organisierten für Greenpeace Energy fortan den Lieferantenwechsel und die Abrechnung mit den Kunden. Anfangs waren die Haller auch für die Strombeschaffung des jungen Ökostromers aus Hamburg zuständig, doch dieses Geschäft übernahm Greenpeace Energy bald selbst.

Für die Stadtwerke Schwäbisch Hall war die Kooperation der Einstieg in ein neues Geschäftsfeld; ab 2002 nahmen die Württemberger weitere Partner unter Vertrag. „Inzwischen betreuen wir mit unserer Softwarelösung „Sherpa“ die Kunden von 70 Marktpartnern“, sagt Geschäftsführer Pfitzer. Es floriert ein Markt, den auch Greenpeace Energy aufgebrochen habe: „Die Ökostromer waren die ersten neuen Stromanbieter, die die Etablierten geärgert haben.“

Zum anstehenden Jahreswechsel wird der allererste Dienstleistungskunde der Schwäbisch Haller Stadtwerke aussteigen. Greenpeace Energy wird damit komplett auf eigenen Füßen stehen: „Wir sind“, sagt Cornelia Steinecke, „erwachsen geworden“.

Autor: Bernward Janzing

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