Eine aktuelle Untersuchung im Auftrag von Greenpeace Ungarn zeigt: Das geplante Atomkraftwerk Paks II ist nicht nur in höchstem Maße unwirtschaftlich, sondern verzerrt auch den ungarischen Energiemarkt zum Schaden von Ökostrom-Anlagen und Energieeffizienz.

Die von Greenpeace Ungarn beauftragte Studie des unabhängigen, auf mittel- und osteuropäische Staaten spezialisierten Analysehauses Candole Partners zeigt, dass Paks II unter normalen Marktbedingungen niemals in der Lage wäre, Gewinne zu erwirtschaften und ein privater Investor deshalb auch kein Geld in Paks II  investieren würde. Die Anfang Juni in Ungarn präsentierte Studie legt dabei verschiedene Szenarien für die Preisentwicklung an der Strombörse zugrunde. In all diesen Szenarien wäre das AKW auf milliardenschwere Subventionen durch den ungarischen Staat angewiesen, um überhaupt betrieben werden zu können.

Obwohl die Analysten konservative Berechnungen zugrunde legen, zeigen alle Szenarien, dass Paks II Verluste produzieren würde. Für diese Verluste müsste der ungarische Steuerzahler mit bis zu 920 Millionen Euro pro Jahr geradestehen – und das bei einer erwarteten Betriebsdauer des AKW von rund 60 Jahren.

Zudem bestätigt die neue Studie, dass Ungarn mit seiner geplanten Subventionierung von Paks II den Wettbewerb auf dem ungarischen Energiemarkt stark beeinträchtigen, der ungarischen Wirtschaft schaden und die ohnehin dominante Stellung des Staates weiter verstärken würde. Dies würde vor allem Investitionen in erneuerbare Energien und in Energieeffizienz verhindern, die durch die Dominanz von Paks II aus dem Markt gedrängt würden.

Ein weiteres Fazit der Studie: Ungarn würde mit seiner geplanten Atomförderung bestehende EU-Regeln für den Energiebinnenmarkt und für öffentliche Ausschreibungen verletzen. Die ungarische Regierung, schreiben die Autoren, habe mit der Wahl einer russischen Kreditfinanzierung andere Möglichkeiten der Energieversorgung ignoriert – etwa den Bau von Erneuerbaren-Anlagen, Energieeffizienz oder die Potenziale des innereuropäischen Energietransfers.