Der Anteil von Wind und Sonne an der deutschen Stromproduktion wächst. Doch wie lassen sich die wetterabhängigen Energiequellen sicher, nachweisbar und wirtschaftlich zur Versorgung der Verbraucher einbinden? Greenpeace Energy macht es vor – mit besonders hohen Anteilen dieser ökologisch wertvollen Energieerzeugungsarten.

Es ist eine Zahl, die die Ökostrombranche aufhorchen lässt: „Im Durchschnitt der ersten sechs Monate stammte fast jede zweite Kilowattstunde in unserem Tarif ‚Ökostrom aktiv‘ aus Windenergieanlagen“, sagt Johann Schmidt, der als Leiter Energiewirtschaft die Strombeschaffung bei der Genossenschaft verantwortet. „Und auch fürs Gesamtjahr 2018 dürfte der Wind-Anteil hier am Ende rund 50 Prozent betragen“, so Schmidt. Der 2017 neu eingeführte Tarif Solarstrom plus, der den Solarausbau in Braunkohlegebieten vorantreiben soll, dürfte 2018 zu immerhin 45 Prozent aus Windstrom bestehen – weitere 10 Prozent liefert hier die Photovoltaik hinzu, den Rest deckt die bewährte Wasserkraft ab.

Johann Christoph Schmidt leitet bei Greenpeace Energy den Bereich Energiewirtschaft. Foto: Enver Hirsch / Greenpeace Energy eG

Derart hohe Anteile so genannte „fluktuierender“ – also schwankender – erneuerbarer Energien machen das Ökostrom-Angebot von Greenpeace Energy außergewöhnlich. Einerseits, weil Windstrom ökologisch besonders wertvoll ist – etwa im Vergleich zu Strom aus Wasserkraftwerken. Denn deren Kapazität ist weitestgehend ausgereizt, neue werden nicht gebaut. Es sind also die wetterabhängigen Energieträger wie Wind und Sonne, die darüber entscheiden, ob die Vollendung der Energiewende gelingt. Und andererseits deshalb, weil ein Großteil des Stroms aus deutschen und österreichischen Windparks stammt, die ohne diese Direktverträge nicht wirtschaftlich wären und vom Netz gehen müssten. Dadurch, dass sie weiterlaufen können und nicht konventionelle Kraftwerke die Lücke füllen müssen, werden direkt große Mengen CO2-Emissionen vermieden.

Im Video: Zeitgemäße Qualitätsstandards für guten Ökostrom

Allerdings ist ein hoher Windanteil auch schwierig zu managen: Die Herausforderung für einen Energieversorger besteht darin, mit einem großen Anteil an wind- und wetterabhängigen Energiequellen jederzeit seine Kundinnen und Kunden sicher zu versorgen. Sprich: Er muss die Differenzen zwischen schwankender Stromproduktion und der jeweiligen Kundennachfrage ausgleichen – jederzeit, garantiert, ob der Wind weht oder nicht. Eine weitere Herausforderung ist die Wirtschaftlichkeit: Windstrom, den Greenpeace Energy direkt und nachweisbar bei grünen Anlagenbetreibern beschafft, ist am Markt deutlich teurer als „normaler“ EEG-Börsenstrom. Am Ende darf der Ökostrommix für die Kundinnen und Kunden aber nicht zu kostspielig werden.

Wind und Sonne verdrängen immer mehr fossile Energieträger aus dem Netz. Foto: Fotolia / Foto oben: Sabine Vielmo / Greenpeace Energy

Die Ambition für mehr „fluktuierende“ erneuerbare Energien im Portfolio ist für Greenpeace Energy dennoch Teil der DNA. Die Selbstverpflichtung zum hohen, jährlich steigenden Anteil aus Wind- und/oder Sonnenkraft basiert auf den strengen Ökostrom-Kriterien der Umweltschutzorganisation Greenpeace, denen die Energiegenossenschaft seit ihrer Gründung folgt. Dieser Kriterienkatalog wurde Ende 2014 an aktuelle Herausforderungen der Energiewende angepasst. Ein zentraler Punkt lautet seither: Je mehr Wind- und Sonnenstrom produziert wird, desto bedeutender ist es, dass die grünen Kilowattstunden auch tatsächlich in die Belieferung der Verbraucher integriert werden. Schon kurz nach der Einführung garantierte die Energiegenossenschaft ihren Kundinnen und Kunden daher einen zehnprozentigen Windstromanteil – damals schon ein Novum.

Durch den vermehrten Einsatz von Speichern – hier ein Greenpeace Energy genutzter Elektrolyseur – oder Nachfragemanagement lassen sich die Windanteile im Strommix noch weiter ausbauen. Foto: Florian Jänicke / Greenpeace Energy

„Mit dem garantierten Mindestanteil demonstrieren wir, dass eine direkte Ökostrom-Belieferung in größerem Maße möglich ist – obwohl der Gesetzgeber dies durch gesetzliche Vorgaben massiv erschwert“, sagt Sönke Tangermann, Vorstand von Greenpeace Energy bei der Vorstellung der neuen Qualitätsstandards im Dezember 2014. Und seit damals hat sich das Alleinstellungsmerkmal von Greenpeace Energy noch deutlich vergrößert – weil die Energiegenossenschaft ihre eigenen ambitionierten Vorgaben in den Folgejahren mehrfach selbst übertreffen konnte: Zuletzt, 2017, verdoppelte sich der Windstromanteil im Mix von Greenpeace Energy – von 14,2 auf 28,2 Prozent.

Möglich war das vor allem durch technische Neuerungen, die Windprognosen und Stromausgleich effizienter machten. So konnten sowohl bei eigenen Windenergieanlagen als auch bei denen der Vorlieferanten neue Instrumente eingesetzt werden, die Windmessungen in Echtzeit liefern. Zudem wurden „Fahrpläne“ für die Strombeschaffung oder nötige Einkaufsaktivitäten zum Ausgleich fehlender oder überschüssiger Strommengen automatisiert – und reagieren dadurch schneller auf Änderungen. „Das ist auch ein Signal an die Branche: Hohe Wind- und Sonnenstromanteile sind technisch und wirtschaftlich möglich, wenn man nur will“, sagt Johann Schmidt.

Und, glaubt er: 50 Prozent Windanteil im Mix sind noch lange nicht das Ende der Fahnenstange. „Bei der Nutzung von flexiblen Stromspeichern oder der Steuerung der Nachfrageseite stehen wir noch ziemlich am Anfang“, sagt Schmidt. „Wenn man diese Potenziale voll nutzen kann, wären in Zukunft noch weitaus höhere Anteile fluktuierender Erneuerbarer möglich.“

INFO Mehr zum Strommix von Greenpeace Energy finden Sie hier hier.