Unsicher, störanfällig und trotzdem weiterhin in Betrieb – das tschechische AKW Temelin steht mit diesem riskanten Eigenschaften-Mix innerhalb der EU längst nicht alleine da.  Auch daran erinnert Ende September die 6. Temelin Konferenz und informiert über die Gefahren der Atomkraft in Europa. Greenpeace Energy ist mit dabei.

k-Temelin-24-09-11-Lisa (1)
Internationaler Protest vor den Kühltürmen des AKW Temelin. Alle Fotos: Brigitte Artmann

Weniger als 100 Kilometer – diese geringe Distanz trennt das tschechische Atomkraftwerk Temelin von der deutschen und österreichischen Grenze. Internationale Umweltschützer fordern die Abschaltung seiner Reaktoren aber nicht nur wegen dieser gleich für mehrere Länder potentiell gefährlichen Lage. Vielmehr macht die störungsanfällige Kombination aus sowjetischer Kraftwerks- und amerikanischer Steuerungstechnik Temelin zu einem der unsichersten Meiler Europas: Über den Austritt von radioaktivem Gas und Kühlwasser bis hin zu zahlreichen Notabschaltungen – seit seinem Bau in den 1990er Jahren und Betriebsbeginn im Jahr 2000 sorgte das umstrittene AKW nicht nur für massive Proteste , sondern auch für rund 130 gemeldete Störfälle.

Impression von der 2014er-Konferenz.
Impression von der 2014er-Konferenz.

Dass dieses unkalkulierbare Risiko von den Kraftwerksbetreibern trotzdem nicht ernst genommen wird, zeigen die jüngsten Ereignisse: So stellte die tschechische Atomaufsichtsbehörde 2015 fest, dass Röntgenbilder von den Schweißnähten des Sekundärkreislaufs der Reaktoren in Temelin in so schlechter Qualität geliefert wurden, dass von einem Betrugsversuch ausgegangen werden muss. Selbst die Manipulation von entsprechenden Sicherheitsberichten schloss man nicht aus. Der Bitte des deutschen Bundesumweltministeriums, die Aktenlage der Schweißnähte des Primärkühlkreislaufs von Temelin 1 mit Experten überprüfen zu dürfen, kam man seit dem bilateralen „Schweißnaht-Fachgespräch“, das Mitte Oktober 2015 mit Vertretern aus der Politik, dem Temelin-Betreiber CEZ und Aufsichtsbehörden in Prag stattfand, nicht nach.

artmann_klein
Konferenz-Organisatorin Brigitte Artmann 2011 im Gespräch mit dem ehemaligen Direktor des Atomkraftwerks, Konferenzteilnehmern und Medienvertretern.

Um auf solche Missstände in Europas Atomindustrie hinzuweisen, findet am 24.09.2016 ab 9:00 Uhr im Informationszentrum Temelin die 6. Temelin Konferenz statt. Dabei informieren  auch Experten von Greenpeace Energy und  Nuclear Transparency Watch unter anderem über die umstrittenen Subventionen für AKW-Neubauten sowie über unnötige Laufzeitverlängerungen  in der EU. Jiri Tutter, Ex-Direktor von Greenpeace Tschechien, spricht über die Ergebnisse des Schweißnaht-Fachgespräches und seine Einschätzung der Lage in Temelin. Den Abschluss der Informationsverstaltung bilden ein Vortrag der grünen Bundestagsabgeordneten Sylvia Kotting-Uhl und des tschechischen Energieexperten Edvard Sequens von CALLA zu Atomendlagern in Europa sowie das prämierte Anti-Atomkriegsdrama „Final Picture“.

INFO Die Anreise zur 6. Temelin Konferenz über eine Mitfahrgelegenheit per Bus ist aus den folgenden bayerischen Ortschaftenmöglich:

  • Marktredwitz ( Abfahrt: 4.30 Uhr, Biersack Reisen e.K., Bernadottestraße 8);
  • Weiden in der Oberpfalz (Abfahrt: 5:10 Uhr, voraussichtlich vom Pendlerparkplatz   Ostmark-Kaserne, Frauenrichter Straße 142 ) sowie
  • Waidhaus (Abfahrt: 5:50 Uhr, voraussichtlich Alter Grenzübergang an der Landstraße St 2154/B14, NICHT an der A6)

Hierfür können Sie sich ab sofort bei Konferenz-Organisatorin Brigitte Artmann (Tel: 0923/162821; Mobil 0178/5542868 oder per E-Mail: brigitte-artmann@gmx.de) anmelden. Weitere Informationen zum Programm der Veranstaltung finden Sie hier.