Wie Spiegel Online berichtet, will die EU-Kommission die Atomkraft in Europa stärken: Ein entsprechendes Arbeitspapier sieht erleichterte Atom-Investitionen sowie eine engere technologische Zusammenarbeit zwischen EU-Staaten vor. Es kommentiert Sönke Tangermann, Vorstand bei Greenpeace Energy.

Es kommentiert Sönke Tangermann, Vorstand bei Greenpeace Energy. Foto: Christoph Eckelt / Greenpeace Energy eG; foto oben: Christoph Rasch

„Das heute bekannt gewordene Papier der Kommission könnte die EU für die nächsten Jahrzehnte auf einen gefährlichen und energiepolitisch fragwürdigen Irrweg schicken. Das bereits mehrfach verschobene AKW-Projekt Hinkley Point C in Großbritannien zeigt nachdrücklich, welche technischen, ökologischen und finanziellen Risiken bei aktuellen AKW-Vorhaben zu Tage treten können. Auch beim mit russischem Geld und russischer Technik geplanten AKW Paks II in Ungarn bleiben viele Fragen offen: zum Beispiel nach den Sicherheitsstandards und der Entsorgung des dort anfallenden Atommülls. Europa darf nicht unter dem Druck der Atomlobby auf einen längst überholten AKW-Kurs einschwenken, gerade angesichts der vorhandenen – und funktionierenden – erneuerbaren Alternativen. Deshalb müssen wir mit allen Mitteln verhindern, dass rings um Deutschland herum neue Atomkraftwerke entstehen. Im Unglücksfall würden die Folgen uns ganz unmittelbar treffen. In jedem Falle aber könnte deren mit vielen Milliarden Euro subventionierter Betrieb die Energiewende auch hierzulande ausbremsen.“

Hintergrund: Greenpeace Energy klagt zusammen mit anderen Energieanbietern derzeit gegen milliardenschwere Subventionen für das geplante AKW Hinkley Point C in Großbritannien. Auch gegen das AKW-Projekt Paks II in Ungarn hat der Ökoenergieanbieter Einspruch bei der EU-Kommission eingelegt. Daneben fordert Greenpeace Energy die Bundesregierung auf, sich politisch gegen den Bau geplanter Atomkraftwerke in Europa zu engagieren.