Fukushima und Tschernobyl: Zwei Namen, die sich für immer ins kollektive Gedächtnis eingebrannt haben – stehen sie doch für die größten Atomdesaster der Geschichte. Am 11. März jährt sich das Reaktorunglück von Fukushima zum fünften Mal, und am 26. April findet der 30. Jahrestag der Katastrophe von Tschernobyl statt. Beide Gedenktage bilden den zeitlichen Rahmen für das „Protestival“ in Berlin, das mit zahlreichen Veranstaltungen nicht nur an die Unglücke erinnern, sondern ein starkes Zeichen gegen Atomkraft setzen will.  Greenpeace Energy unterstützt dieses Engagement und ist mit vor Ort.

plakate_uniOrganisiert wird das Protestival von Sayonara Nukes Berlin, einer Gruppe von in und um Berlin lebenden Japanern, die sich gegen Atomenergie engagieren. Sie organisieren unter dem Titel „Protestival“ eine Reihe von Veranstaltungen zum Themenkomplex „Atomenergie und Demokratie“. Über sich selbst sagen die Organisatoren: „Wir nehmen die beiden Jahrestage zum Anlass, um uns erneut an die Gefahren der Atomenergie, an das Ausmaß und die andauernden Folgen von beiden Super-GAUs sowie die weltweit um die Kerntechnologie praktizierte Diskriminierung und Verletzung der Menschenrechte zu erinnern.“

Das geschieht mit vielfältigen Veranstaltungen. Eingeläutet wird das Protestival-Auftakt am 11. März in der Berliner Werkstatt der Kulturen. In „Fukushima the Aftermath“ präsentieren Musiker, Tänzer und andere Künstler ihre Auseinandersetzung mit den Lehren aus der Atomkatastrophe und den Aufgaben für die Zukunft. Dazu gibt es eine Diskussionsrunde. Wenige Tage später startet dann die jährliche „Kazaguruma“-Demo, die ebenfalls an den Jahrestag von Fukushima erinnert. Hunderte Teilnehmer gehen hier mit eigens angefertigten Kazaguruma (Windrädern) als Symbol für eine gemeinsame Hoffnung auf eine atomfreie Zukunft auf die Straße.

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Kazaguruma-Demo in Berlin. Alle Fotos: Veranstalter

Ein weiteres Highlight der Veranstaltungsreihe ist eine eindrucksvolle Fotoausstellung im Berliner Willy-Brandt-Haus. Zwei japanische Fotojournalisten holen in ihren Bildern die Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima aus der vermeintlich „sicheren“ Entfernung nach Deutschland und zeigen Momente aus der Wirklichkeit vor Ort. Ryûichi Hirokawa, Gründer der Stiftung „The Chernobyl Children’s Fund“, dokumentiert mit seiner Kamera den Unfall und die Folgen der nuklearen Unfälle, die verstrahlten Lebensräume in den Sperr- und Todeszonen, die Rückkehrer, die trotz der Strahlengefahr in die Zonen zurückkamen. Hirokawa engagiert sich seit Jahrzehnten für die Opfer. Kenji Higuchi begleitet bereits seit den 1970er Jahren AKW-Leiharbeiter, die unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten und großer Gefahr ausgesetzt sind. Die Namen der beiden Fotojournalisten sind in der Antiatom-Bewegung in Japan nicht wegzudenken.

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Szene aus dem Spielfilm „Kalina’s Apple“.

Auch für atomkritische Kinogänger ist etwas dabei. Den Anfang macht eine Vorführung des Dokumentarfilms „Tell the Prime Minister: Anti-Atom-Bewegung in Japan“.  Dem Soziologen Eiji Oguma gelingt es darin, die spannungsgeladene Zeit in Japan nach der Katastrophe von Fukushima zu dokumentieren – und gleichzeitig die Zuschauer zum Nachdenken zu bewegen, wie eine wirkungsvolle Bürgerbeteiligung realisiert werden kann. Die Film-Doku „Als die Sonne vom Himmel fiel“ begleitet die Regisseurin Aya Domenig auf Spurensuche nach ihrem verstorbenen Großvater, der nach dem Abwurf der Atombombe 1945 in Hiroshima als junger Arzt gearbeitet hat. Abgeschlossen wird die Filmreihe vom Spielfilm „Kalina’s Apple: Forest of Chernobyl“. Darin geht es um ein junges Mädchen, das die Folgen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl hautnah erlebt.

Ein Frühlingsbasar zugunsten von Menschen, die von der Fukushima-Katastrophe betroffen sind, ein Benefiz-Gesangskonzert und Workshops runden das vielfältige Programm des Protestivals ab. Greenpeace Energy als Hauptsponsor des Protestivals wird auf zahlreichen Veranstaltungen im Programm ebenfalls über das Thema Atomkraft informieren – und dabei vor allem vor einer drohenden Wiederkehr dieser riskanten Technologie in Europa warnen.

INFO Mehr Details zu den einzelnen Veranstaltungen sowie die genauen Termine finden Sie unter der Webseite des Protestivals. Hier können Sie außerdem den Veranstaltungsflyer als PDF downloaden. Zum Video-Trailer geht es hier.