30 Jahre des Vergessens, des Ignorierens, des Verschweigens und offizieller Fehlmeldungen kennzeichnen den Umgang mit dem bis 2011 größten Atomunfall der Geschichte, der Explosion des Atomkraftwerks Tschernobyl am 26. April 1986. Am 11. März 2011 geschah in Japan ein nukleares Inferno noch größeren Ausmaßes. Zwei japanische Fotojournalisten holen die Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima aus der sicheren Entfernung und zeigen Momente aus der Wirklichkeit vor Ort. Am 14. April wurde die von Greenpeace Energy unterstützte Ausstellung „Nuclear, Democracy and Beyond“ im Berliner Willy-Brandt-Haus eröffnet.

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Das Foto von Ryuichi Hirokawa zeigt die Verwüstungen in der japanischen Katastrophenprovinz Fukushima.

Ryûichi Hirokawa, Gründer der Stiftung „The Chernobyl Children’s Fund“, dokumentiert mit seiner Kamera den Unfall und die Folgen der nuklearen Unfälle, die verstrahlten Lebensräume in den Sperr- und Todeszonen, die Rückkehrer, die trotz der Strahlengefahr in die Zonen zurückkamen. Er engagiert sich seit Jahrzehnten für die Opfer.

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Ein ehemaliger Arbeiter auf einer Atomanlage zeigt auf diesem Bild von Kenji Higuchi die körperlichen Folgen der Strahlungsbelastung.

Kenji Higuchi begleitet bereits seit den 1970er Jahren AKW-Leiharbeiter, die unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten und großer Gefahr ausgesetzt sind. Die Namen der beiden Fotojournalisten sind in der Antiatom-Bewegung in Japan nicht wegzudenken. Die Erzeugung von Atomenergie birgt unvorhersehbare Gefahren. Nukleare Unfälle können sich jederzeit und überall wiederholen. Es gibt keine Lösung für den Atommüll. Künftige Generationen werden mit der hoch radioaktiven Hinterlassenschaft leben müssen.

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Performance zur Ausstellungseröffnung: Veranstaltungs-Fotos (2): Tsukasa Yajima

„Wenn wir Tschernobyl vergessen, erhöhen wir das Risiko weiterer solcher Technologie- und Umweltkatastrophen in der Zukunft…Mehr als sieben Millionen unserer Mitmenschen können sich den Luxus des Vergessens nicht erlauben. Sie leiden noch immer. Das Vermächtnis von Tschernobyl wird uns und unsere Nachkommen begleiten – und zwar für viele kommende Generationen“, sagte der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan im Jahr 2000.

Am 14. April wurde die Ausstellung vor mehr als 100 Gästen eröffnet – unter anderem mit einer eindringlichen Performance von Bodypoet Kazuma Glen Motomura. Die Ausstellung wird im Rahmen des „Protestivals“ gezeigt, einer Veranstaltungsreihe zum Thema Atomenergie und Demokratie zum 5. Jahrestag von Fukushima und zum 30. Jahrestag von Tschernobyl. Zu sehen sind die Bilder noch bis zum 22. Mai.

INFO Willy-Brandt-Haus, Stresemannstraße 28, Berlin. ÖPNV: Bus M41 / U-Bahn Hallesches Tor. Mehr Programminformationen unter www.protestival.de