Am Donnerstag erst hatte der Verwaltungsrat des EDF-Konzerns mit knapper Mehrheit grünes Licht für die hoch umstrittene Investition in das AKW-Projekt Hinkley Point C gegeben. Doch nur wenige Stunden später verschob die britische Regierung überraschend die für das Wochenende geplante offizielle Vereinbarung mit EDF über den Bau des AKWs auf den September.

Man wolle sich Bedenkzeit verschaffen und die Rahmenbedingungen des Projektes nochmals überprüfen, hieß es aus London. Im Herbst solle dann eine Entscheidung fallen. Dass der Deal mit EDF nun vorerst auf Eis gelegt wurde, ist ein Paukenschlag, mit dem wohl kaum jemand im französischen Atomkonzern gerechnet hat. Laut Medienberichten könnte ein wesentlicher Grund gewesen sein, dass die neue Premierministerin Theresa May Bedenken habe, die geplanten Garantie-Vergütungen für Hinkley Point C von 92,5 Pfund pro Megawattstunde könnten am Ende für den Steuerzahler zu hoch sein. Nach wissenschaftlichen Berechnungen im Auftrag von Greenpeace Energy belaufen sich diese Vergütungen über 35 Jahre auf mehr als 100 Milliarden Euro, die der britische Staat für den Betrieb des AKW aufwenden müsste. Greenpeace Energy hatte die Einspeise-Subvention unter anderem deshalb immer heftig kritisiert, weil sie den Wettbewerb zulasten erneuerbaren Energieanbieter verzerren. Die Energiegenossenchaft klagt deshalb dagegen zusammen mit anderen Akteuren vor dem Gericht der Europäischen Union in Luxemburg.

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Sönke Tangermann, Vorstand bei Greenpeace Energy. Foto: Christop Eckelt / Greenpeace Energy eG; Foto oben: fotolia / Sigtrix

„Möglicherweise hat die britische Regierung gehofft, dass die EDF-Spitze auf ihrer jüngsten Sitzung angesichts all der immer größer werdenden finanziellen, technischen und juristischen Probleme selber einen Rückzieher machen würde. Das ist nicht geschehen und jetzt muss die Regierung selber die Notbremse bei diesem gefährlichen und exorbitant teuren Atomprojekt ziehen“, sagt Sönke Tangermann, Vorstand bei Greenpeace Energy. Und, fügt er hinzu: „Was wir gerade sehen, könnte der Anfang vom Ende des Projektes Hinkley Point C sein.“

Fast genau ein Jahr nach Beginn der Subventionsklage von Greenpeace Energy gegen das geplante britische Atomkraftwerk Hinkley Point C erscheint dessen Realisierung nach Ansicht der Energiegenossenschaft tatsächlich unwahrscheinlicher denn je. Bereits vor wenigen Tagen vermeldete Greenpeace Energy in einer Pressemitteilung die Vermutung, die Folgen des Brexit-Referendums könnten das Projekt nun endgültig kippen: „Der Ausstieg mit all seinen unabsehbaren wirtschaftlichen und juristischen Risiken baut den verantwortlichen Managern und den verbliebenen politischen Befürwortern eine goldene Brücke, um Hinkley Point C gut begründet zu stoppen und gleichzeitig das eigene Gesicht zu wahren“, sagte Tangermann damals.