Mit Mut in die Zukunft – die Stärken der dezentralen Energiewende!“ war das Motto des 2. Bürgerenergie-Konvents in Erfurt. 150 Akteure tauschten auf dem wichtigen Netzwerktreffen Erfahrungen aus und informierten sich über die aktuelle Lage der Bürgerenergie in Deutschland. In den Diskussionen und Workshops wurde dabei viel Kampfgeist deutlich – denn die Bürger-Projekte stehenaktuell  vor einigen schwierigen Herausforderungen

„Bürgerenergie hat die Hälfte der Ökostrom-Anlagen in Deutschland entstehen lassen“, sagt Stefanie Usbeck von der bekannten Frauen-Energie-Genossenschaft „Windfang“, „und diesen Anteil wollen wir uns nicht wieder wegnehmen lassen!“ Für das klare Statement erntete Usbeck von den 150 Gleichgesinnten im Saal viel Applaus. Die kämpferische Haltung war Programm auf dem Erfurter Konvent Ende September – denn die lokalen Energie-Akteure sehen sich wachsenden Problemen durch neue, strengere Rahmenbedingungen gegenüber.

„Die Bürgerenergie steht regulativ weiter unter Belastung, weil sie politisch nicht gewollt ist“, so das Fazit von René Mono, dem geschäftsführenden Vorstand des Bündnis Bürgerenergie e.V (BBEn). Rund 150 Vertreterinnen und Vertreter der Bürgerenergie, die in Genossenschaften, Vereinen oder als Einzelpersonen die Energiewende in Bürgerhand gestalten, diskutierten in Erfurt zwei Tage lang auf dem wichtigsten bundesweiten Netzwerketreffen der Bürgerenergie-Akteure. Der BBEn veranstaltet den Konvent.

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Marcel Keiffenheim (2. v.l.) beim Workshop zu den geplanten Ausschreibungen für neue Ökostrom-Anlagen. Fotos (3): Christoph Rasch / Greenpeace Energy eG

Marcel Keiffenheim, Leiter Energiepolitik bei Greenpeace Energy und Aufsichtsratsmitglied im BBEn stellte anhand einer neuen Studie die positiven Wirkungen von Bürgerenergie vor. Dazu gehören auch die Wertschöpfungseffekte, die die lokalen Akteure in ihrer Region oder Kommune auslösen. „Es macht einen Riesenunterschied, ob das eingesetzte Geld vor Ort bleibt oder in die Taschen eines international agierenden Hegde Fonds wandert“, so Keiffenheim. In einem Workshop am Sonntag machte wies er zudem auf die Gefahren für die Bürgerenergie durch die geplante Ausschreibungspflicht für neue Ökostrom-Anlagen hin: „Wir werden uns weiterhin politisch dafür einsetzen, dass Bürgerenergie-Projekte gar nicht erst in das Ausschreibungssystem hineingeraten, weil sie dort im direkten Wettbewerb zu großen Konzernen benachteiligt werden“, so Keiffenheim.

„Großes Signal der Entschlossenheit“

Die Ausschreibungen gehörten zu den am schärfsten kritisierten Themen des Erfurter Treffens. Das Bundeswirtschaftsministerium unter Leitung von Sigmar Gabriel (SPD) baue für die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger immer größere Hürden auf und beschneide so das energiewirtschaftliche und gesellschaftliche Potential der Bürgerenergie auf dramatische Weise, so die einhellige Meinung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Dies führe zu großer Verunsicherung und Frustration bei den Akteuren vor Ort.

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René Mono, geschäftsführender Vorstand des Bündnis Bürgerenergie beim Konvent in Erfurt.

Zum Abschluss des Bürgerenergie-Konvents erklärte René Mono: „Wir senden ein großes Signal der Entschlossenheit von Erfurt aus. Wir wollen die Energiewende weiterhin als solidarisches und auf das Gemeinwohl zielendes Projekt der Bürgerinnen und Bürger kraftvoll vorantreiben. Wir fordern die Bundesregierung auf, dem allgemeinen Bekenntnis zu Bürgerbeteiligung und Akteursvielfalt auf dem Energiemarkt endlich Taten folgen zu lassen. Wir brauchen faire Wettbewerbsbedingungen für die Bürgerenergie. Der Schmusekurs mit den Energiekonzernen muss ein Ende haben“, so Mono.

Als eindrucksvoller Abschluss der Veranstaltung versammelten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Bürgerenergie-Konvents unter dem Motto „Bürgerenergie ist Klimaschutz!“ zu einer großen Fotoaktion auf dem BürgerEnergie-Tag Thüringen. Anlässlich des internationalen Klima-Aktionstags machten mehr als 100 Bürgerenergie-Aktivisten deutlich, dass Bürgerinnen und Bürger mit der Errichtung von Erneuerbaren-Anlagen direkt zur Reduktion von klimaschädlichem CO2 beitragen. Das Ausbremsen der Bürgerenergie schwäche also auch den notwendigen Klimaschutz.