Der Berliner Thinktank Agora Energiewende hat eine Studie vorgestellt, die einen kompletten Kohleausstieg in Deutschland bis 2040 vorsieht. Das Papier dürfte die Diskussion um die Klimaziele und ihre nationale Umsetzung in den kommenden Wochen prägen.

„Der Kohleausstieg ist bislang der blinde Fleck der Energiewende gewesen“, so Agora-Direktor Patrick Graichen am Mittwoch vor etwa 250 Zuhörern in Berlin. Doch ein verbindliches Konzept für einen solchen Abkehr der klimaschädlichen Kohle sei dringend nötig, „denn der Emissionshandel wird nicht zu einer ausreichenden CO2-Reduzierung führen.“ Agora stellte deshalb Mitte Januar seine „Elf Eckpunkte für einen Kohlekonsens“ vor – als „Angebot an die Politik“, wie es hieß.

Einige Kernpunkte des Agora-Konzeptes:

Die Studie sieht einen Ausstiegsfahrplan vor, der – analog zum Atomausstieg – 22 Jahre umfasst und bis 2040 abgeschlossen sein soll.

Tagebau Welzow - open pit Welzow 02
Tagebau in der Lausitz. Foto: LianeM / fotolia.com

Neue Kohlekraftwerke sollen nicht gebaut, neue Tagebaue nicht aufgeschlossen werden. Dies betrifft neben dem Kohlerevier in NRW auch die Lausitz: Die dort geplanten Tagebaue Nochten II, Welzow-Süd, Jänschwälde und Lützen würden demnach nicht mehr realisiert. „Das Ziel ist es, die Hälfte der vorhandenden Braunkohlevorkommen im Boden zu lassen“, so Graichen.

Für bestehende Kohlemeiler soll es Restlaufzeiten geben, Pro Jahr sollen insgesamt bis zu drei Gigawatt Kohlestrom-Kapazität vom Netz genommen werden.

Die komplette Studie finden Sie hier.

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Demo für Kohleausstieg in der Lausitz: Folgekosten sollen über Abgaben und Fonds abgefangen werden. Foto: Christoph Rasch / Greenpeace Energy (2)

Die Folgekosten für den von Agora vorgeschlagenen Strukturwandel sollen einerseits über eine Stiftung abgefangen werden, in der die bisherigen Rückstellungen der Energiekonzerne gebündelt werden. Zudem soll es eine Abgabe geben, die ökologische und soziale Maßnahmen des Ausstiegs finanzieren soll. Auch der Bund wird nach dem Agora-Konzept in die Pflicht genommen: Ein Strukturwandelfonds soll, ausgestattet mit 250 Millionen Euro jährlich, im Bundeshaushalt eingerichtet werden.

Um all diese Maßnahmen im Detail zu vereinbaren und auf den Weg zu bringen, fordert Agora, einen „Runden Tisch“ einzurichten. An diesem Gremium sollen neben Energiebranche und Politik auch Wissenschaftler, Gewerkschaften und Umweltverbände beteiligt werden. Der Thinktank setzt auf „eine einvernehmliche und und langfristige Lösung, die Planungssicherheit schafft und einen gerechten und schrittweisen“ Kohleausstieg ermöglicht.  Experten sehen das vorgelegte Konzept für den Kohleausstieg – gemessen etwa am Plan von Greenpeace – als „moderat ambitioniertes Modell“.