Ein breites Bündnis aus Verbänden, Organisationen und Unternehmen fordert von der Politik einen stärkeren Ausbau der sauberen Solarenergie. Photovoltaik-Anlagen sind eine tragende Säule der Energiewende, ihr Ausbau darf daher nicht künstlich gedeckelt werden, so der Appell des Bündnisses, das mehrere 100.000 Unternehmen und mehr als 10 Millionen Bürgerinnen und Bürger vertritt. Greenpeace Energy gehört zu den 16 Erstunterzeichnern des gestern veröffentlichten Appells.

Das Problem: Nach aktueller Gesetzeslage sollen neue Solarstromanlagen auf Gebäuden nicht mehr gefördert werden, sobald bundesweit ein Ausbau-Grenzwert von 52 Gigawatt (GW) installierter Photovoltaik-Kapazität erreicht ist, was voraussichtlich bereits im Verlauf des kommenden Jahres der Fall sein dürfte. Derzeit sind in Deutschland Solarstromanlagen mit einer Spitzenleistung von 46 GW in Betrieb.

Marcel Keiffenheim, Leiter Politik und Kommunikation. Foto: Enver Hirsch / Greenpeace Energy eG; Foto oben: Fotolia / zstock

„Solaranlagen sind wichtig für die Akzeptanz der Erneuerbaren“, sagt Marcel Keiffenheim, Leiter Politik und Kommunikation bei Greenpeace Energy. „Die sauberen Kraftwerke nutzen zum Beispiel Dächer bestehender Gebäude – und sie ermöglichen in vielen Fällen eine direkte Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern.“ Keiffenheim warnt: „Die Politik sägt an einem wichtigen Standbein der Energiewende, wenn sie den Ausbau dieser Technologie faktisch begrenzen will.“

Die Befürchtung ist begründet: Kommt das von der Politik gewollte Förderende zu abrupt und zu früh, könnte der Ausbau von PV-Dachanlagen stark einbrechen, glaubt Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW), der den Appell initiierte. Er fordert: „Der Solardeckel stammt noch aus einer anderen Zeit. Inzwischen ist der Bundesregierung klar, dass deutlich mehr Solarenergie erforderlich ist, um das Klimaproblem in den Griff zu bekommen.“ Im Koalitionsvertrag hatte sich die Bundesregierung darauf verständigt, den Ausbau Erneuerbarer Energien zu beschleunigen und bis 2030 von derzeit rund 38 Prozent auf 65 Prozent zu erhöhen – dieses Ziel wäre mit einem „Solardeckel“ nicht zu erreichen, so die Kritik des Branchenbündnisses. Die Politik sei deshalb gefordert, den Ausbaudeckel zurückzunehmen.

Eine Mehrheit der Bevölkerung spricht sich gegen eine Deckelung beim Solarstrom aus. Foto: Fotolia / Albert Masnovo

Das sieht offenbar auch eine große Mehrheit in der Bevölkerung so: Laut einer repräsentativen Online-Befragung des Meinungsforschungsinstituts YouGov halten es nur sechs Prozent der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland für richtig, die Förderung von Solardächern bei 52 Gigawatt ganz zu stoppen. Rund drei Viertel der befragten Bürgerinnen und Bürger meinen hingegen, dass die Bundesregierung sicherstellen sollte, dass genügend Solaranlagen gebaut werden, um die Klimaschutzziele zu erreichen.