Der Zeitpunkt hätte treffender kaum sein können: Nur wenige Stunden, nachdem der Deutsche Bundestag die umstrittene EEG-Reform von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel verabschiedet hatte, versammelten sich gleich nebenan im Paul-Löbe-Haus knapp 200 Experten und Branchenakteure, um über die Zukunft der Energiewende zu diskutieren. Geladen hatte die Bundestagsfraktion von Bündnis90/Die Grünen. Auch Greenpeace Energy war mit dabei.

Rund 200 Gäste waren ins Paul-Löbe-Haus gekommen, um an der knapp vierstündigen Konferenz teilzunehmen.
Rund 200 Gäste waren ins Paul-Löbe-Haus gekommen, um an der knapp vierstündigen Konferenz teilzunehmen. Alle Fotos: Christoph Rasch / Greenpeace Energy eG

Weltweit werde sehr genau beobachtet, wie Deutschland der Umstieg auf eine klimafreundliche Energieversorgung gelinge, mahnte Fraktionschef Anton Hofreiter zur Eröffnung. „Diese Vorbildfunktion ist bereits schwer beschädigt“, sagte er, „denn die Art und Weise, wie die Politik die Energiewende managt hat alles zu einer reinen Kostendebatte werden lassen.“ Hofreiter forderte deshalb ein breites Bündnis aus Branchenvertretern, Gewerkschaften und Verbänden, um die ursprünglichen Ziele des Energieumbaus in Deutschland zu verteidigen – und „die Technologieführerschaft“ beim Ökostrom zu erhalten.

Das gelte vor allem für Pionierprojekte, die die Energiewende zukunftsfähig machen – neue Speichertechnologien etwa. „Die Power-to-Gas-Technologie ist ein wichtiger und interessanter Ansatz für die Zukunft“ sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke – eine Zielrichtung, die Greenpeace Energy mit Windgas verfolgt. Doch mit Blick auf die gerade verabschiedete EEG-Reform warnte auch der NABU-Chef: „Die Politik setzt wieder auf zentrale statt dezentrale Strukturen und grenzt durch Ausschreibungs-Vorschriften die kleinen Akteure aus.“

Die Diskussionen waren meist lebhaft und von viel Sachkenntnis geprägt.
In den Sitzungssälen des Bundestags fanden mehrere Workshops statt. Die Diskussionen waren lebhaft und von viel Sachkenntnis geprägt.

In einer anschließenden Diskussionsrunde etwa kam die Frage auf, ob sich zum Beispiel kleinere Energie-Genossenschaften nun zusammenschließen müssen, um im Wettbewerb der Ausschreibungen für neue Anlagen überhaupt noch zum Zuge zu kommen. Allerdings wies der stellvertretende Grünen-Fraktionschef Oliver Krischer darauf hin: „Wie die Ausschreibungen im Detail ausgestaltet werden sollen, das weiß auch die Bundesregierung noch nicht genau.“

Die Risiken und Zukunft der Bürgerenergie in Deutschland waren eines der Hauptdiskussionsthemen auf der Grünen-Konferenz, die bis zum Nachmittag mit drei Workshops weiterging. Dabei wurde auch darüber diskutiert, wie Systemgrenzen zwischen Stromversorgung und Mobilität überschritten werden können – und wie der Strukturwandel im deutschen Kraftwerkspark gelingen kann. Auch künftige Modelle für die Vermarktung von Ökostrom standen zur Debatte.

Frank Bsirske sprach über das wirtschaftliche Potenzial der Erneuerbaren. Verdi plant eine groß angelegte Studie zu Wirkungen am Arbeitsmarkt.
Frank Bsirske sprach über das wirtschaftliche Potenzial der Erneuerbaren.

Dass die erneuerbaren Energien viel wirtschaftliches Potenzial bergen, unterstrich verdi-Chef Frank Bsirske. Zehntausende neue Arbeitsplätze könnten beim Bau, der Wartung und Steuerung von Anlagen und Netzen entstehen. „Allerdings wachsen auch die Anforderungen an die Qualifikationen der Beschäftigten“, so Bsirske. Die Langzeit-Wirkung der Erneuerbaren auf dem Arbeitsmarkt will die Gewerkschaft verdi in einem groß angelegten Forschungsprojekt untersuchen lassen.

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