Die 6. Handelsblatt-Jahrestagung Erneuerbare Energien ist eine verlässliche Plattform für kontroverse Debatten über die Energiewende. Auf dem Branchentreffen, das noch bis zum 27. August in Berlin stattfindet, meldete sich auch Greenpeace Energy wieder meinungsstark zu Wort.

„Wie neue Marktakteure den Erneuerbaren-Markt verändern“, wollte eine Diskussionsrunde beim „Handelsblatt-Forum Erneuerbare Energien“ am 25. August in Berlin herausfinden. Greenpeace Energy-Vorstand Sönke Tangermann debattierte dort unter anderem mit Vertretern von E.on und den Stadtwerken Lübeck – Unternehmen, die in jüngster Zeit ihr Engagement für erneuerbare Energien herauszustellen versuchen. Ob es überhaupt noch einen Ökoenergieanbieter wie Greenpeace Energy brauche, wenn jetzt immer mehr etablierte Energiefirmen auf Erneuerbaren-Kurs umschwenkten, wollte der Moderator wissen.

Diskussionsrunde2_002
Greenpeace-Energy-Vorstand Sönke Tangermann (Mitte) auf der Podiumsdiskussion „Wie neue Marktakteure den Erneuerbaren-Markt verändern“. Alle Fotos: Veranstalter

Tangermann begrüßte die – späte – Einsicht von E.on und Co. und äußerte die Hoffnung, dass den Ankündigungen auch Taten folgen. Er verwies darauf, dass die Energiewende aber längst neue Herausforderungen stelle, als bloß in den Ausbau erneuerbarer Energien zu investieren. Vorreiter-Unternehmen wie Greenpeace Energy seien deshalb wichtiger denn je: „Wir kümmern uns mit unserem Ökostrom-Produkt darum, auch mit schwankender Einspeisung aus Wind- und Sonnenenergie eine ebenso saubere und wie sichere Versorgung zu gewährleisten. Und mit unserem Gasprodukt proWindgas sorgen wir gemeinsam mit unseren Kunden dafür, dass die Speicher entstehen, die eine Vollversorgung mit erneuerbaren Energien erst möglich machen.“

Diskussionsrunde3_011
Marcel Keiffenheim diskutierte als Vertreter für das Bündnis Bürgerenergie auf der Handelsblatt-Jahrestagung zum Ausschreibungsmodell mit.

Ziemlich skeptisch äußerte sich eine weitere Diskussionsrunde zu den geplanten Ausschreibungen zur Festsetzung der Vergütung für neue Wind- und Solaranlagen, wie sie die anstehende EEG-Novelle vorsieht. Das war umso bemerkenswerter, als die Runde mit Vertretern von Bundesnetzagentur, den wissenschaftlichen Beratungsinstituten BET und IZES sowie dem Bündnis Bürgerenergie ein ansonsten durchaus breites Meinungsspektrum abdeckte.

„Kompliziert, teuer, ineffizient“ lautete einhellig das verheerende Urteil der Experten vor allem mit Blick auf die geplante Ausschreibung für Windenergie an Land. „Und ungerecht“, ergänzte Marcel Keiffenheim. Der Leiter Politik und Kommunikation bei Greenpeace Energy vertrat in der Diskussion das Bündnis Bürgerenergie: „Vor allem kleine Akteure – die bislang das Rückgrat der Energiewende bilden – werden durch die Ausschreibungsrisiken praktisch vom Markt gedrängt.“ Das sei ein klarer Bruch der Koalitionsvertrages und eine riesige Gefahr für den Erfolg der Energiewende.