Unsere neue Artikelreihe #bemybikefriend geht in die nächste Runde: In Episode zwei sprechen wir mit unserer Kollegin Janne Andresen über unser Lieblingsfortbewegungsmittel und die Sicherheit im Großstadtverkehr. Außerdem erklärt sie, warum es kein zu schlechtes Wetter für das Fahrradfahren gibt.

Man sieht sie nie ohne Fahrradhelm. Wenn es jemanden bei uns gibt, den man sich wirklich gar nicht ohne Fahrrad vorstellen kann, dann ist es unsere Kollegin und Mobilitätsexpertin Janne. Auch besonders schlechtes Wetter ist für sie noch lange kein Grund, das Rad stehen zu lassen.

Als wirklich störend empfindet sie jedoch, dass sie als Radfahrerin in der Stadt permanent ihren Platz behaupten muss und Verkehr nach wie vor zu sehr aus der Perspektive des Autofahrers gedacht wird. Wie es anders gehen kann, verrät sie uns im Interview.

Greenpeace Energy: Janne, was ist Deine Aufgabe bei Greenpeace Energy?

Janne Andresen: Ich arbeite im Bereich Politik und Kommunikation. Wir setzen uns in Berlin und Brüssel für eine konsequente und zielführende Energiewende ein und berichten darüber. Außerdem arbeite ich noch mit an Projekten, wie Solarstrom plus und unserem Mobilitätsthema.

GPE: Vor Deiner Zeit bei uns hast Du einige Jahre in Argentinien gelebt und gearbeitet und dort unter anderem eine Umweltschutzorganisation geleitet. Was hat Dich nach Südamerika verschlagen? Und welche Ziele verfolgte Deine Organisation?

Janne: Ich bin im Studium für ein Auslandssemester nach Buenos Aires gegangen und dortgeblieben. Ich war schon nach dem Abitur ein Jahr in Peru gewesen und hatte ein großes Interesse an Südamerika. Je länger ich in Argentinien lebte, desto betroffener machte mich aber das Umwelt- und vor allem das Verschmutzungsproblem des Landes. Argentinien hat z.B. einen enormen pro Kopf Wasserverbrauch, Müll wird entsorgt, wo es gerade passt, und mit dem Fleischkonsum müssen wir hier gar nicht erst anfangen. Gleichzeitig gab es immer mehr Argentinier, die sich in kleinen Initiativen mit möglichen Lösungsansätzen beschäftigt haben, von Bildung in Schulen über Recyclingprodukte zu immer mehr vegetarischen Angeboten. Meine Organisation Ambientate hat sozusagen eine Plattform für diese Lösungen aufgebaut. Wir haben Festivals organisiert, die Presse eingeladen und so den ganzen kleinen Organisationen eine Bühne geboten. Das hat sehr gut funktioniert!

Weiß nicht nur im Verkehr, wo es lang geht: Janne Andresen auf unserem vergangenen Energiekongress. Foto: Arpad Ikuma Csizmazia

GPE: Bei Greenpeace Energy gehörst zu denjenigen, die wirklich jeden Tag mit dem Rad zur Arbeit kommen, ganz gleich ob bei Sonnenschein oder bei Regen oder Schnee. Gibt es auch Strecken die Du nicht mit dem Fahrrad fährst?

Janne: In der Stadt eigentlich nicht. Wenn ich meinen Sohn im Anhänger habe, achte ich darauf, wirklich immer auf dem Fahrradweg zu fahren, was aber nicht ganz leicht ist. Oft können wir nur auf den Bürgersteig ausweichen. Aber ansonsten fahre ich meine Strecken zur Not eben mit den Autos auf der Straße.

GPE: Was macht das Fahrrad Deiner Meinung nach zum idealen Verkehrsmittel?

Janne: Für mich persönlich, und sicher auch für viele andere, die in einer Stadt leben, ist das Fahrrad das schnellste Verkehrsmittel. Ich würde mit Bus und Bahn einfach um einiges länger brauchen. Zudem bekomme ich so jeden Tag ein wenig Bewegung. Und: ich bin unabhängig. Ich setze mich aufs Rad und fahre los. Wenn ich dann im Winter die vollgestopften, von innen beschlagenen Busse sehe, freue ich mich über den Fahrtwind – und vielleicht auch über den Nieselregen.

GPE: In den vergangenen Wochen gab es einige nahezu identische Unfälle, unter anderem in Hamburg und München, bei denen Fahrradfahrerinnen – eine junge Mutter in Hamburg und eine Schülerin in München – von abbiegenden LKW übersehen wurden und tödlich verunglückten. Hast Du schon ähnliche Situationen erlebt? Empfindest Du das Fahrradfahren in der Großstadt als unsicher?

Janne: Ich hatte auch schon Unfälle, die zum Glück alle einigermaßen glimpflich ausgegangen sind. Seitdem trage ich allerdings immer einen Fahrradhelm. Ich finde das Fahren in der Stadt tatsächlich unsicher. Das liegt zum einen daran, dass es einfach zu viele Autos gibt. In meinem Viertel ist jeder Zentimeter vollgeparkt, auch in zweiter Reihe. Da hat man kaum eine Chance, sich sicher den restlichen Platz zu teilen. Zum anderen liegt es aber auch daran, dass es noch immer nicht genug vernünftige und klar abgegrenzte Fahrradwege gibt. Ich denke, hier sollte man sich trauen die Lösung von hinten zu denken. Erst Fahrrad, dann Auto. Nicht andersherum. Das dauert, klar. Funktioniert in anderen Ländern aber schon ganz gut.

GPE: Du bist bei Greenpeace Energy unter anderem verantwortlich für den Bereich Mobilität. Welche Ziele verfolgt Greenpeace Energy auf diesem Gebiet?

Janne: Zusammengefasst könnte man sagen: Weg vom PKW hin zu alternativer Mobilität, wie Radfahren, ÖPNV oder Bahn. Wenn ein Auto notwendig ist, was in vielen ländlichen Regionen selbstverständlich der Fall ist, dann ein mit echtem Ökostrom betriebenes E-Auto.
Wir versuchen in möglichst vielen dieser Bereiche unseren Kundinnen und Kunden Angebote zu machen, von Vertriebskooperationen bis hin zur Ökostromversorgung.

GPE: Was braucht es für ein Gelingen der geforderten Verkehrswende und wie können Greenpeace Energy Kundinnen und Kunden sowie Mitglieder zum Erfolg dieser beitragen?

Janne: Natürlich wäre ein großer Schritt, wenn wir weniger Autos auf unseren Straßen hätten. Und wenn Elektroautos einen immer größeren Teil davon ausmachen. Diese sollten dann natürlich mit echtem Ökostrom geladen werden.
Aber auch mein Konsum hat Auswirkungen auf die Mobilitätsnotwendigkeit. Muss ich meine Sachen immer im Internet bestellen oder gehe ich zum Einzelhändler um die Ecke? Wo werden meine Produkte hergestellt? Wir denken diese Fragen oft richtigweise aus der Perspektive der fairen Produktion, aber das hat natürlich einen riesigen Einfluss auf unseren Transportbedarf.

GPE: Zum Schluss noch eine Frage der Kategorie „Wunschkonzert“… angenommen, Du wärst Verkehrsministerin. Welche drei Maßnahmen würdest Du direkt umsetzen?

Janne: Ich würde ein Enddatum für den Verbrennungsmotor festlegen. Das würde schon heute Investitionen in nachhaltige und innovative Richtungen steuern.
Ich würde den ÖPNV ausbauen. In den Städten ist das Angebot oft, aber bei weitem nicht immer, gar nicht schlecht. Aber vor allem auch im ländlichen Bereich sollten mehr Haltestellen angefahren werden und dies in engerer Taktung.
Das Dienstwagenprivileg sollte nur für Elektroautos, die mit echtem Ökostrom geladen sind, nutzbar sein.

GPE: Vielen Dank für Deine Zeit!

Info: Mehr Informationen zu den Mobilitätsangeboten von Greenpeace Energy finden Sie HIER. Warum wir eine Verkehrswende brauchen und welche Rolle dabei dem Fahrrad zukommt, erfahren Sie im Rahmen der Kampagne Verkehrswende für Deutschland unserer Kolleginnen und Kollegen von Greenpeace Deutschland e.V..