Im Mai 2018 haben wir unseren Braunkohle-Ausstiegstermin gestartet. Schon im August des Jahres wurde die erste aus unserem Fördertopf finanzierte PV-Anlage im brandenburgischen Proschim errichtet. Inzwischen speisen eine große und drei kleine Solaranlagen in der Lausitz und im Rheinischen Revier Sonnenstrom für unsere Kundinnen und Kunden ins Netz ein. Deren Zahl ist seit dem Streit um den Hambacher Wald noch einmal besonders stark gestiegen. Zeit für eine Zwischenbilanz.

„Eigentlich”, sagen Günter Jurischka und Steffen Kapelle, „könnten wir total zufrieden sein, 2018 war ein absolut überdurchschnittliches Sonnenjahr. Unsere PV-Anlage läuft und produziert super.” Die beiden stehen auf der Hauptstraße in Proschim vor dem Haus des Ehepaars Jurischka. Auf dem Dach der Braunkohle-Gegner aus der Lausitz schimmern unter strahlend blauem Himmel 40 Solarmodule mit fast zehn Kilowatt Spitzenleistung in der Sonne. Zusammen speisen sie Kilowattstunde um Kilowattstunde für Solarstrom plus-Kunden von

Ein Dach, zwei Mann, zwei Tage: Frank Lehmann und Steffen Kapelle setzen die neue Solaranlage auf das Dach von Hannelore und Günter Jurischka

Greenpeace Energy ins Netz ein. „Ich sage bewusst ,eigentlich‘ und ,könnten‘. Denn so gut unser Schmuckstück läuft, so sehr betrachte ich den ewig blauen Himmel hier mit Sorge“, sagt Steffen, der die Anlage als Elektromeister und Solarteur vor gut einem Jahr selbst aufs Dach gesetzt hatte. „Es hat seit Monaten nicht mehr geregnet, die Landwirtschaft leidet unter der Trockenheit, wir erleben die Vorboten des Klimawandels.” Günter, der schon seit DDR-Zeiten gegen die Abbaggerung seines Heimatdorfs kämpft, nickt und ergänzt: „Aber das bestärkt uns umso mehr im Widerstand gegen die Braunkohle. Wir demonstrieren hier, wie wir von einer klimaschädlichen zu einer klimafreundlichen Stromproduktion umsteigen können.”

Solarstrom plus macht es vor: Bei diesem Fördertarif für den Ausstieg aus der Kohle und den Umstieg in die erneuerbaren Energien finanzieren die Stromkunden über einen Fördercent den Neubau von Solaranlagen direkt in den Braunkohleregionen – wie die von Günter und Steffen, die bereits rund dreieinhalb Monate nach dem Tarifstart im Mai 2017 gebaut wurde und seitdem grünen Strom produziert. Im Gegenzug beziehen die Stromkunden zehn Prozent Solarenergie direkt aus PV-Anlagen in Tagebaunähe. Mal aus kleineren wie der in Proschim oder im Rheinischen Revier, aber auch aus einem größeren Solarpark, um die wegen der stetig wachsenden Kundenzahl ebenso wachsenden Solarstrommengen immer zuverlässig liefern zu können.

„2017 haben wir knapp eine Gigawattstunde (GWh) Sonnenenergie an unsere Solarstrom plus-Kunden geliefert, für das Jahr 2018 rechnen wir bereits mit 4,6 GWh”, sagt Johann Schmidt, Leiter der Energiewirtschaft bei Greenpeace Energy. „Die Nachfrage nach dem Tarif ist deutlich stärker, als wir prognostiziert hatten. Aber egal wieviele Kunden es werden, wir haben vorgesorgt, dass wir alle mit ihrem 10-Prozent-Solarstromanteil beliefern können.” Aktuell sind rund 4500 Kundinnen und Kunden in den innovativen Braunkohleausstiegstarif gewechselt. Und durch die radikale Haltung von RWE bei der Rodung des Hambacher Waldes am Tagebau Hambach im Rheinischen Revier ist die Zahl seit der Räumung der Baumhäuser im schätzenswerten 12.000 Jahre alten Wald zuletzt noch einmal deutlich angestiegen – um das Drei- bis Vierfache im Vergleich zu vorher.

Hilde Zettls PV-Anlage liefert Solarenergie für Solarstrom plus-Kunden von Greenpeace Energy

Auch Hilde Zettl freut das. Wie Günter und Hannelore Jurischka aus der Lausitz ist sie eine Tagebau-Betroffene, nur eben im Rheinischen Revier. Ihre Eltern wurden aus ihrem Heimatdorf umgesiedelt. Als sie den Neubau eines eigenen Hauses plante, war für sie klar, dass sie sich möglichst weitgehend selbst aus erneuerbaren Energien versorgen will. Und so prangt jetzt auf ihrem Dach eine hochmoderne PV-Anlage mit 42 Kilowatt Spitzenleistung. „Für die Sonnenstrom-Ernte war es ein Supersommer “, freut sich die Rheinländerin, die jede Kilowattstunde, die sie nicht selbst verbraucht, für Solarstrom plus-Kundinnen und -Kunden ins Netz einspeist. „Ich will Teil des Wandels sein und finde es toll, dass uns über diesen Tarif Menschen aus ganz Deutschland unterstützen können.“

Die gute Nachricht: Was an Braunkohle-Jobs wegfällt, kann durch Erneuerbaren-Arbeitsplätze vollständig ersetzt werden

Durch die wachsende Kundenzahl wächst auch der Fördertopf für den Neubau von Solaranlagen in den Tagebaurevieren beständig – von rund 10.000 Euro im vergangenen Jahr auf fast 40.000 in 2018. Inzwischen steht fest, wo die erste neue PV-Anlage in diesem Jahr errichtet wird: auf dem Dach von Antje Grothus, der inzwischen bundesweit bekannten Braunkohlekritikerin, die sich seit vielen Jahren gegen den Tagebau Hambach und die Abholzung des verbliebenen Hambacher Waldes engagiert. Für ein knappes Jahr war sie auch mal als Regionalpartnerin von Greenpeace Energy aktiv, bis sie im Frühjahr 2017 als NRW-Koordinatorin zur Klima-Allianz wechselte. Und immer hat sie sich für einen sozialverträglichen Wandel in ihrer Kohleregion stark gemacht. Dafür wollen sie und wir ein Zeichen für die Zukunft setzen, die auch im Rheinischen Revier den Erneuerbaren gehören muss. Denn die schützen nicht nur das Klima, sondern garantieren zukunftsfähige Jobs. Schon zum Tarifstart von Solarstrom plus  im Mai 2017 konnten wir in einer viel beachteten Studie zeigen, dass sich auf Bundeslandebene die wegfallenden Arbeitsplätze in der Braunkohle vollständig durch den Ausbau erneuerbarer Energien ersetzen lassen.

Auch ein zweites Solarprojekt im Rheinland wird noch in diesem Jahr aus dem Fördertopf unterstützt und wie im Falle von Antje Grothus von Partnern aus der Region umgesetzt, damit

Glanzstück in Buir: Antje Grothus‘ neue PV-Anlage soll ein Zeichen für die erneuerbare Zukunft setzen

das Geld dort auch die Wirtschaft stärkt. Welches es ist, werden wir bald in diesem Blog verkünden. „Für uns Aktivisten sind solche Beispiele enorm wichtig, um zu zeigen, wie die Menschen hier vom Wandel auch profitieren können“, sagt Antje Grothus. Sie vertritt die Tagebau-Betroffenen aus dem Rheinland in der Kohlekommission, die für die Bundesregierung einen Plan für den Kohleausstieg und den notwendigen Umbau der Wirtschaft entwickeln soll.

Noch allerdings ist der Zeitpunkt für das Ende der Braunkohle längst nicht beschlossen, bleibt der Kohleausstieg die nächste große Herausforderung für die Energiewende. Ein politisches Großprojekt, das in seiner Dimension mit dem Atomausstieg zu vergleichen ist. Jeder Beitrag, der diesen Prozess beschleunigt, bleibt also wichtig – nicht zuletzt Solarstrom plus.

 

Info Sie wollen den Braunkohleausstieg voranbringen und interessieren sich für Solarstrom plus? Sie wollen Sonnenenergie direkt von Greenpeace-Energy-Partnern in den Braunkohleregionen beziehen? Hier können Sie direkt zu Solarstrom plus wechseln und mehr Informationen über unseren innovativen Braunkohleausstiegs-Tarif: www.greenpeace-energy.de/hambi