Erneuerbare Energien für Braunkohlereviere – das ist das Ziel unseres Tarifs Solarstrom plus. Mit einem Fördercent unterstützen unsere Kundinnen und Kunden den Neubau von Solaranlagen im Rheinischen Revier und in der Lausitz. Dafür werden sie im Gegenzug mit Sonnenenergie aus den Tagebaurevieren versorgt. Die neueste Anlage ist Ende Dezember im rheinischen Düren entstanden – als sichtbares Zeichen für die Haltung der evangelischen Gemeinde zur Zukunft ihrer Region.

Nach außen Schutz, nach innen Offenheit – schon die Architektur des Gemeindezentrums Düren strahlt aus, was der evangelischen Gemeinde wichtig ist: Solidarität. Und so gruppieren sich die Backsteinbauten rund um einen schattigen Innenhof mitten im Zentrum der zwischen Aachen und Köln gelegenen Stadt mit rund 100.000 Einwohnern. Und damit auch mitten im Rheinischen Braunkohlerevier, die aktiven Tagebaue Inden und Hambach nur ein paar Kilometer Luftlinie entfernt.

Rastlos, aber (fast) nie radlos unterwegs in der Gemeinde: Pfarrer Martin Gaevert sucht neue Wege für die Zukunft des Braunkohlereviers.   Fotos: Michael Englert / Greenpeace Energy eG

Am Thema Kohle kommt natürlich auch die Gemeinde nicht vorbei. Sie bietet ein Dach für Menschen, die in der Braunkohle arbeiten und nun um ihre wirtschaftliche Existenz bangen. Und für diejenigen, die den fossilen Brennstoff möglichst rasch durch erneuerbare Energien ersetzen wollen. „Wir müssen miteinander reden, wir müssen die Angst aus dieser Debatte rausnehmen“, sagt Pfarrer Martin Gaevert, ein sportlicher Mann, der wann immer möglich mit seinem Rad im Gemeindegebiet unterwegs ist. Die prinzipielle Offenheit für alle Standpunkte bedeutet allerdings nicht, dass die Gemeinde für sich keine klare Position gefunden hätte. Sie setzt sich seit Jahrzehnten für einen sozialverträglichen Braunkohleausstieg und den Klimaschutz ein.

Und dafür setzt sie auch Zeichen. Das jüngste prangt seit Dezember 2018 auf dem Gemeindehaus: eine nagelneue Solaranlage, deren Bau von den KundInnen unseres Braunkohle-Ausstiegstarifs Solarstrom plus über den von ihnen entrichteten Fördercent pro kWh mit 10.000 Euro unterstützt wurde. Auf einem der schräggestellten Pultdächerfügen sich 33 tiefschwarze Module dezent zu einer 9,6-Kilowatt-Photovoltaikanlage. Auf Wunsch des Architekten sind selbst die Alurahmen schwarz eloxiert, so dass nichts die Harmonie des Ensembles stört. „Die meiste Energie nutzen wir für das eigene Haus“, sagt der Pfarrer. Also zum Beispiel für die Diakoniestation, für Büros und Gruppenräume, den Eine-Welt-Laden, das Café International, ein wichtiger Treffpunkt für Flüchtlinge, und das Psychologische Beratungszentrum. Wenn die Produktion der PV-Module zur eigenen Versorgung nicht ausreicht, bezieht das Gemeindezentrum Strom von Greenpeace Energy.

Das erste Dach des Gemeindezentrums Düren ist bereit für die Sonnenstromernte. Weitere Dächer sollen folgen – damit hier künftig auch neue E-Mobile für die Diakonie geladen werden können.

„Unsere Dächer bieten ein hohes Ausbaupotenzial für die Zukunft, das wir gerne nutzen wollen“, sagt Martin Gaevert. Schon jetzt ist alles vorbereitet, damit die Solarmodule künftig die geplanten Ladesäulen für E-Mobile versorgen können. Zudem soll der Diakonie-Fuhrpark des Pflegedienstes auf Elektroautos umgestellt werden. Jeder Schritt wird basisdemokratisch von den Gemeindegremien beschlossen. Das mag manchmal zwar ein wenig Zeit in Anspruch nehmen, dafür aber wird es dann auch von allen mitgetragen – ein nachhaltiger Prozess, der im Kleinen so vorbildlich funktioniert, wie man es sich für den Strukturwandelprozess im Braunkohlerevier als Ganzes nur wünschen kann.

Pfarrer Martin Gaevert über die Herausforderungen seiner Gemeindearbeit im Rheinischen Tagebaurevier:

Was motiviert Sie, sich über Ihre Pfarrtätigkeit hinaus für Kohleausstieg und Strukturwandel zu engagieren?
Für mich sind das Engagement in der Gemeinde und mein persönliches keine getrennten Bereiche, sondern ein ganzheitlicher Zusammenhang, der sich durch mein Leben zieht. So fahre ich zum Beispiel schon immer Fahrrad anstatt als Jugendlicher Mofa oder später Auto. Autos benutze ich möglichst selten. Auf dem Rad bekomme ich die Natur, das Wetter ganz anders mit als viele andere Menschen. Und zwar im Alltag, nicht nur in der Freizeit und zur Erholung. Das hat mich auch für die Form des Protests im Hambacher Wald sensibilisiert. Diese Menschen sind aus den Zwängen der Konsumgesellschaft ausgestiegen und geben einen Hinweis auf den Grad der Entfremdung unseres Lebens von der Natur und den auch daraus erwachsenden Folgen unseres Wirtschaftens. Ich trete für eine Zukunft ohne Wirtschaftswachstum ein. Denn in einer reichen Gesellschaft, die auf Wachstum um jeden Preis angelegt ist, wachsen auch die Widersprüche ins Unermessliche.

Wie stehen Kirche und Umwelt für Sie im Zusammenhang?
Als Evangelische Gemeinde sprechen wir eher von Mitwelt. Damit bringen wir zum Ausdruck, dass nicht der Mensch im Mittelpunkt steht und alles andere nur ihm zu Diensten und Nutzen erschaffen wurde. Wir sind Teil der Schöpfung Gottes. In der Bibel steht: „Und Gott sah an alles, was er gemacht. Und siehe, es war sehr gut!“ Da steht „alles“ und nicht „der Mensch“! Wir können von den Aktivisten auf den Baumhäusern lernen, wenn sie berichten, wie sie ein Gefühl dafür bekamen, dass der Baum, auf dem sie wohnen, lebt. Da hat die Kirche noch viel Aufräumarbeit zu leisten. Wir hatten unsere eigenen Schriften lange so verstanden, dass die Natur zur Bühne für die Erlösung des Menschen degradiert wurde.

Wir erleben Sie die Stimmung in ihrer Gemeinde zum Thema Strukturwandel?
Natürlich ist die Stimmung bei dem Thema auch von Spannungen geprägt. Wie kann es anders sein: Viele Menschen arbeiten bei RWE und sehen ihre Zukunftsplanung und wirtschaftliche Existenz in Frage gestellt. Die Spaltung ist zwischen der Jugend in unserer Gemeinde und den Älteren am stärksten ausgeprägt. Beide fürchten auf jeweils eigene Art um ihre Zukunft. Da heißt es, beiden zuhören und beide ernst nehmen.