Viel Schulterklopfen, wenig Unterstützung: Darüber klagt die deutschen Erdgas-Unternehmen mit Blick auf die Politik. In der „Zukunftswerkstatt Erdgas“ hat die Branche mit Politik und Experten diskutiert, welche Rolle ihr ab 2030 zukommt. Eine entscheidende, argumentierte Marcel Keiffenheim von Greenpeace Energy in seinem Statement – aber nur dann, wenn die Branche von fossilem Erdgas auf erneuerbare Gase umschwenkt.

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Marcel Keiffenheim, Leiter Politik und Kommunikation bei Greenpeace Energy. Foto: Henning Heide / Greenpeace Energy eG

Immerhin: Beim Ziel waren sich alle einig. Das Pariser Klima-Abkommen beschreibt „knallharte und nicht mehr verhandelbare Fakten“, erläuterte Ludwig Möhring von „Wingas“ in seiner Keynote. Damit der globale Temperaturanstieg in diesem Jahrhundert auf deutlich unter 2 Grad und möglichst nicht mehr als 1,5 Grad begrenzt werden kann, muss die Energieversorgung schnall und radikal dekarbonisiert werden. Wie das aus Sicht von Greenpeace Energy geht, skizzierte Marcel Keiffenheim:

1) deutlich schnellerer Ausbau von Wind- und Solaranlagen,

2) Abschalten aller Kohlekraftwerke bis spätestens 2030,

3) Ausbau der Windgas-Technologie. Dann können statt schmutziger und flexibler Kohlemeiler immer dann erneuerbare Gaskraftwerke einspringen, wenn phasenweise nicht genug Wind und Solarstrom zur Verfügung steht.

Die von Greenpeace Energy auch über ein eigenes Produkt geförderte Windgas-Technologie bedeutet, dass bei viel Wind und Sonnenschein erneuerbarer Strom in Gas umgewandelt wird, der bei Bedarf die Gaskraftwerke befeuert  – aber auch im Mobilität-, Wärme- und Industriesektor eingesetzt werden kann.

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Logo der Zukunftswerkstatt Erdgas.

Das Konzept erntete bei der versammelten Gaswirtschaft große Zustimmung. Kein Wunder, wird die vorhandene Gas-Infrastruktur mit ihren Leitungen und riesigen unterirdischen Speichern doch als „Rückgrat der Energiewende“ dauerhaft gebraucht. Vehement wurden Ursula Borak als Vertreterin des Bundeswirtschaftsministeriums und der Koordinator für Energiepolitik in der CDU/CSU-Bundestagfraktion zu entsprechenden Weichstellungen aufgefordert. Vergebens: Beiden war keine Aussage zu entlocken, dass dem schönen Worten zum Klima folgerichtig auch konkrete Taten bei Kohleausstieg, Erneuerbaren- und Speicherausbau folgen müssen. Eine frustrierende Erfahrung, die den früheren Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) derart aufbrachte, dass er im Anschluss an die Diskussionsrunde versprach, er wolle sich ab sofort persönlich dafür einsetzen, dass Windgas ein Erfolg wird.